„Bin schon da ... bin schon da ... Na, was denn, Kindchen ... bis zum Wagen kommen wir doch noch, wie?“

Pauline Rader, die wußte, was Kindesnot und Angst waren, umfaßte Karla und führte sie in den Korridor. Die Küchenlampe brannte auf dem Tisch. Schlüssel klirrten ...

Karla brach zusammen.

„Ich — kann — nicht ...“

Nur einen kurzen Augenblick war Pauline Rader unschlüssig. Dann blitzten ihre hübschen, lustigen Augen auf. Als gälte es, jemandem ein Schnippchen zu schlagen. So eines, an dem der liebe Herrgott selber seine Freude hätte und sich darob den weißen Bart vor Lachen hielt.

Und weiter überlegte sie nicht lange. Hatte kräftige Pflegerinnenarme und wußte Bescheid. Ganz rasch lief sie hinaus auf den Treppenflur, klingelte an der Wohnungstür drüben und flüsterte dem öffnenden Mädchen etwas zu. Das Mädchen nickte lachend. Es traf sich gut, die Herrschaft war nicht zu Hause, da flitzte sie gleich um die Ecke. Die Hebamme war brav. Ihre „Gnädige“ war sehr zufrieden gewesen, hatte sie „mächtig beschenkt“. Und dann lachte sie wieder.

Denn es war doch eine lustige Sache, daß wieder so was Kleines, Zappelndes zur Welt kommen sollte! Und es war Frauenart, zu lachen, wenn man davon hörte ...

Karla wußte nicht mehr recht, was mit ihr geschah. Das schwere Werk des Mutterwerdens hatte begonnen.

Nur daß das Bett so wundersam weich und breit war, spürte sie noch, und daß es gut roch in dem Zimmer: nach Sauberkeit und vielen feinen Düften, die aus roten Kristallflaschen vom Waschtisch herüberwehten.

Eine lange, bange Nacht wurde es, und Pauline Rader fuhr sich mehr als einmal mit dem Tuch über das Gesicht, wenn sie an die Verantwortung dachte, die auf ihr lastete. Von Karla war nichts herauszubringen. Nicht, wo ihr Mann war, nicht, wo die Verwandten wohnten.