„Ich will nicht ...“
Es war das einzige, was sie immer wieder hervorstieß. Mit all ihren Kräften, mit all ihrem Wollen half sie der Natur, die hart und unerbittlich das Schwerste von ihr verlangte. Und in allen ihren Schmerzen fühlte sie es deutlich, fühlte es beseligend, daß das ihr Werk war, ihr Schaffen ganz allein.
Eine tiefe, innige Angelegenheit zwischen sich und dem Kinde, dem sie das Leben abrang. Nur manchmal schrie sie auf, und es war wie ein Erbarmen heischender Naturlaut: „Mutter — Mutter!“ Der gleichbleibende Schrei, der Generationen in Ewigkeit verbindet ...
Und jedesmal, wenn dieser Schrei erklang, beugte sich Pauline Rader über das erhitzte, schmerzverzogene Gesicht, legte ihre kühle Hand auf die glühende Stirn und murmelte:
„Ja, Kindchen ... ja ... gleich ist alles gut ... gleich ...“
Als aber die Morgensonne sich durch die Rolläden hereinzwängte mit spielerischen, neugierigen Strahlen, da rief die weise Frau, halb lachend, halb entrüstet:
„Was haben Sie mir denn erzählt? ... Ein ganz ausgewachsenes Kindchen ist es ... Hat sich vielleicht sogar noch ein paar Tage länger geputzt als nötig, das eitle Ding ... Geben Sie nachher mal gleich die Wage her, daß wir sehen, was die Prinzessin wiegt.“
Pauline Rader tropften ein paar Tränen in das Wasser, das sie gerade im Waschzuber hereingebracht hatte.
„Worin wickeln wir es nun ein?“ fragte sie immer wieder und wußte nicht, wohin mit sich. Sie hatte offenbar ganz den Kopf verloren. Denn sie stürzte plötzlich zu Papas Schrank und schnitt aus einem seiner feinsten seidenen Hemden rasch die ersten Hüllen für den roten, kleinen Körper heraus.
Als dann Karla das Kind an ihre Brust legen durfte und in andächtigem Schauer fühlte, wie ihr Leben sich abermals in dieses neue, jetzt so heißgeliebte kleine Wesen ergoß, sagte Pauline Rader: