„Nun müssen wir den Herrn Gemahl benachrichtigen und die Verwandten.“

Aber Karla wandte ihr die dunklen Augen zu, die ganz tief in blauen Höhlen lagen:

„Noch nicht, bitte ... noch nicht gleich.“

Diese eine geheiligte Stunde mit ihrem Kinde wollte sie für sich haben — ganz für sich.

Und Pauline Rader verstand und lehnte sich zurück in den bequemen, altväterlichen Sessel mit einem leisen, behaglichen Lächeln um den vollen, hübschen Mund.

Was der Herr Papa wohl sagen würde zu der freundlichen Überraschung?!

So recht geheuer war ihr bei der Vorstellung eigentlich nicht.

Aber weil sie todmüde war, schlief sie ein, ohne daß auch nur das Lächeln von ihren Lippen geschwunden wäre. Und da war es Karla, als ob es auf der großen, weiten Welt niemanden mehr gäbe als ihr Kind und sie selbst. Versunken war alles um sie herum, alles, was vor diesem Augenblick ihr Leben verschönt, beglückt und bedrängt hatte.

Und nie hatte selbst das lauteste Beifallstosen einer begeisterten Menge ein so überschwängliches Glücksgefühl in ihr ausgelöst wie die kaum vernehmbaren Atemzüge des kleinen Wesens, dem sie das Leben gegeben.