Der östlichste Punkt bis zu welchem der Watussi-Einfluss gedrungen, ist die von Wasinja bewohnte Insel Ukerewe. Dort soll vor 15 Generationen Ruhinda, ein Mtussi, mit seinem Anhang aus Uhaia, eingewandert sein. Er verdrängte die Ureinwohner, die der Waschaschi-Gruppe angehörten und den Wakara-Wakwaya verwandt waren und soll die Banane eingeführt haben. Er ist am Kitare-Berg begraben und sein Nachkomme ist der jetzt lebende Häuptling Lukonge, der mit seiner Familie noch deutlich den Watussi-Typus trägt. Irangala, der Nordwesten der Insel, untersteht jedoch nicht diesem, sondern dem Häuptling Kaka.
Krieger aus Ukerewe.
Nur mehr oder weniger mit ohnehin verwandten Wakwaya-Elementen vermischt, sind die Wakerewe sprachlich reine Wasinja. Sie hatten früher Kämpfe mit den zwischen Speke-Golf und Baumann-Golf hausenden Wataturu zu bestehen, die sie mit ihren vergifteten Pfeilen angriffen. Doch wurden diese schliesslich besiegt und lebten dann mit den Wakerewe in Frieden. Dann tauchten die Massai auf, vernichteten die Wataturu und fielen auch, den Rugedsi-Kanal übersetzend, in Ukerewe ein, um Rinder zu rauben. Gegenwärtig beherrscht Lukonge ausser Ukerewe auch Kiruviru, die Insel Nafuba und die Inseln des Baumann-Golfes; Ukara dagegen ist völlig unabhängig.
TAFEL XXII
Ornamente auf Körben der Wakerewe.
Ukerewe stand bis in die letzten Jahre in einem gewissen Abhängigkeits-Verhältniss von Uganda. Das Gleiche war auch bei den kleinen Staaten von Usinja, im engeren Sinne von Mweri, der Fall, eine Landschaft, die sich von der Bukumbi-Bai bis zum Südwestende des Emin Pascha-Golfes ausdehnt. Das Land war früher stärker bewohnt, wie die zahlreichen Spuren früherer Niederlassungen in jetzt unbesiedelten Gebieten andeuten, wurde jedoch durch Einfälle der Wangoni theilweise entvölkert. Am bedeutendsten ist der Häuptling Rwoma, der den Nordosten des Landes beherrscht. Alle anderen sind nur Schulzen die jedoch, wie auch Rwoma, sämmtlich dem Watussi-Stamm angehören.
Westlich vom Nyansa dehnt sich das Königreich Ost-Ussui aus, das auch Theile von Usambiro- und nördlichen Wanyamwesi-(Wafiomi)-Landschaften umfasst. Es ist in seinem östlichen Theile ziemlich dicht, im westlichen Gebirgsland dagegen schwach bewohnt. Es steht unter despotischer Herrschaft des Häuptlings Kassusura, der früher ein Vasall Uganda's jetzt unabhängig ist. Durch einen unbewohnten, zu Karagwe und Uha gehörigen Strich von Ost-Ussui getrennt, liegt West-Ussui, das nur in seinem östlichem Theil von Wasinja, im westlichen von Warundi bewohnt ist. Diese nennen sich, ebenso wie die Wanyamwesi Südost-Ussui's, ebenfalls »Wassui«, woraus hervorgeht, dass dieser Begriff kein ethnographischer, sondern ein politischer ist. West-Ussui wird vom Häuptling Yavigimba (Kirundi Rwawigimba) beherrscht. Dieser ist, wie Kassusura, ein Mtussi, auch trifft man in West-Ussui zuerst Watussi-Hirten, die jedoch von Yavigimba nicht sehr begünstigt und vielfach vertrieben wurden. So stammen die Watussi von Urambo aus West-Ussui.
Die Wasinja erscheinen körperlich als ein Mischvolk der ursprünglichen Bantu-Bevölkerung mit starken hamitischen (Watussi) Elementen. Man trifft also neben reinem Negertypus auch schöne an Abessinier erinnernde Körper- und Gesichtsformen, sowie Leute, die ein deutliches Gemisch der beiden Typen erkennen lassen. Als fast reine Watussi erscheinen die Herrscherfamilien, doch haben dieselben vollere Körperformen als die mageren Hirtenstämme, was wohl hauptsächlich der reichlicheren Pflanzenkost zuzuschreiben ist.