Im Allgemeinen sind die Wasinja ein mittelgrosser, kräftiger und wohlgebildeter Stamm mit dunkelbrauner Hautfarbe. Haarfrisuren werden nicht getragen. Beschneidung ist unbekannt. Als Stammesmarke gilt in der Landschaft Usinja eine schlangenartig, spiralig endende Narbenverzierung die unterhalb des Nabels quer über den Bauch verläuft. Die ursprüngliche, in Ukerewe noch allgemein übliche Kleidung ist ein Ziegenfell, das von einer Schulter herabhängt und stets die Schamtheile bedeckt, doch wird in Usinja und Ussui überall Baumwollzeug getragen. Nur die Weiber tragen meist Lederlendenschurze. In Ukerewe lässt man oft den Bart lang wachsen und dreht ihn zu einem dünnen Zopf, der mit Bast umwunden wird. Ausser Arm- und Beinringen und mit Draht umsponnenen Darmsaiten (Madodi) am Arm, werden nur Halsbinden aus Metall- oder Glasperlen als Schmuck getragen.
Den Zähnen wird überall besondere Pflege gewidmet, in Ukerewe benutzt man eigene Gefässe mit Sand zum reinigen derselben. Als Kriegsschmuck wird in Ukerewe eine kaurigeschmückte Mütze aus Löwenfell getragen.
Die Wasinja sind intelligent und wissen sich in neue Verhältnisse zu schicken. Früher waren sie durch ihre Erpressungen der Schrecken der Karawanen, jetzt haben sie darin sehr nachgelassen und nur Kassusura von Ost-Ussui erhebt nach wie vor sein »Mahongo« (Tribut) von den Händlern. Durch diese Erpressungen, sowie durch die Eisenindustrie haben sie, obwohl sie niemals zur Küste gehen, doch viel Zeug gesammelt. Ihre Sprache ist ein angenehm klingender Bantudialekt, der ungeheure Verbreitung von Unyoro bis Ukerewe und auch über Schaschi besitzt.
Während Waschaschi und Wanyamwesi noch in Cylinderhütten mit Kegeldach und Lehmwänden wohnen, finden wir bei allen Wasinja die reinen Gras- oder Laubhütten, in Ukerewe sowohl, wie in Usinja und Ussui von genau der gleichen Anlage, nur nach Reichthum und Stellung des Besitzers abweichend in Grösse und Sorgfalt der Ausführung. Die Wasinja-Hütte (Abb. pag. 71) besteht aus einem einfachen Geflecht aus Zweigen ohne Mittelpfeiler, das mit Gras oder dürren Bananenblättern gedeckt wird. Den Gipfel krönt häufig ein Straussenei. Oefter ist an dem Eingang ein Vordach vorhanden, das manchmal hübsch mit Rohrwänden versehen ist. Das Innere ist durch Lehm- oder Rohrwände in kleine Abtheilungen getheilt. Der Durchmesser variirt von circa 15 m (wie bei Lukonge's Hütte) bis zu 3 m. Oft ist die Hütte so leicht, dass man sie ohne Schwierigkeit an einen andern Platz tragen kann.
Gefäss mit Sand
zum Zahnreinigen
der Wakerewe.
In Ukerewe und Usinja ist die Höhe grösser als der Durchmesser, in Ussui ist das Umgekehrte der Fall und die Hütte nähert sich immer mehr der Halbkugelform. Grössere Dörfer sind vereinzelt, meist sind kleine Weiler zwischen den Feldern verstreut, die mit lebenden oder Stangenzäunen und schönen Bananenhainen umgeben sind.
Die Hauptbeschäftigung der Wasinja ist Ackerbau, neben welchem Jagd und Fischerei nur untergeordnete Rollen spielen. Letztere wird von den Nyansastämmen, besonders den Wakerewe in ähnlicher Weise wie von den Waschaschi betrieben. Hauptsächlich dazu, sowie zur Vermittelung des Verkehrs haben sie ziemlich grosse Kanus, die ähnlich wie jene der Waganda aus genähten Brettern bestehen und von 2-40 Mann halten. Das Rudern geschieht sitzend mit eigenthümlich geformten und bemalten Rudern. (Abb. pag. 44.) Den Takt giebt Gesang, den ein meist an der Spitze des Kanus stehender Vorsänger leitet.
Die Viehzucht war früher bedeutender als jetzt, wo sie durch die Seuche stark gelitten. In Ukerewe wird das (offenbar von Osten importirte) Zeburind, westlich vom Bukumbigolf aber überall das Watussi-Rind gehalten. Die Bewohner der Landschaft Usinja sollen sich früher fast ausschliesslich von Viehzucht ernährt haben, bis die Wangoni-Einfälle ihnen das unmöglich machten.
Kleinvieh wird überall, besonders in Ukerewe zahlreich gehalten. In Ussui haben die Schafe auffallend lange Fettschwänze. Hühner giebt es wenige, dagegen wird viel Mühe auf Bienenzucht verwendet. Als Stöcke dienen auf Bäume aufgehängte Holzröhren, wie man solche auch in den Kilimanjaro-Ländern antrifft. Der Ukerewe-Honig gilt mit Recht als besonders vorzüglich. Hunde giebt es überall, dieselben sind in Usinja auffallend langbeinig.