Am Tanganyika trifft man sehr viele Oelpalmen, die dort ein richtiges Kulturgewächs bilden. Ueberall pflanzt man ferner die Ficus-Art, welche das Rindenzeug, in manchen Gegenden auch Brennholz liefert, vielfach auch Bambus und Disteln zum Herstellen von Zäunen. Im Allgemeinen sind die Warundi keine besonders eifrigen Ackerbauer, sie pflanzen nur so viel, als sie zum Leben unbedingt nöthig haben und weite Striche ihres fruchtbaren Landes bleiben unbebaut.

Von Geräthschaften der Warundi fanden schon einige Erwähnung. Dem Ackerbau dienen eiserne Spaten und eigenthümliche, sichelförmige Haumesser, die sich ähnlich in Ukerewe und dem nördlichen Zwischenseengebiet finden und die auch zum Lichten der Papyrussümpfe gebraucht werden. Korbwaaren werden mit Geschick gefertigt. Zur Töpferei haben die Warundi wenig Geschick, wo die Watwa fehlen, sind die Töpfe stets plump und leicht zerbrechlich. Ein eigenthümlicher Regenschirm ist im Süden des Landes gebräuchlich, er besteht aus einem Halbcylinder aus Blättergeflecht, den der Träger über den Kopf stülpt. Zur Anfertigung des Rindenzeuges dient ein Beinhammer, mit welchem das betreffende Rindenstück einfach breitgeschlagen wird. Der Baum kann vollständig geschält werden und erholt sich, umwickelt mit altem Rindenzeug oder Bananenblättern, rasch wieder.

Hammer zum Fertigen von Rindenzeug, Urundi. — Speerspitze der Warundi. — Pfeilspitze, Warundi. — Schwert der Warundi vom Tanganyika. —
Schild, Ruanda. — Schwert, Ruanda. — Pfeilbehälter der Warundi.

Die Waffen der Warundi sind Speer und Bogen, wobei schwer zu sagen ist, welche Waffe als Hauptwaffe gelten kann. In manchen Gegenden trifft man nur Speere, in anderen nur Bogen, meist aber beide Waffen gemeinsam. Die Speere haben lange, schlechte Schafte und locker sitzende, charakteristisch geformte Spitzen. Letztere werden meist abgenommen und in Bananenblätter gewickelt unter dem Rindenzeug getragen. Die Bogen sind nicht besonders kräftig, die Pfeile meist ohne Widerhaken und fast niemals vergiftet. Köcher sind nicht bekannt, die Pfeile werden in den Hütten in länglichen, ornamentirten Behältern aufbewahrt, im Felde aber stets in der Hand getragen. Kurze Schwerter dienen hauptsächlich als Paradewaffen und werden besonders am Tanganyika schön ausgeführt. Schilde sind gegenwärtig nicht mehr gebräuchlich, doch traf ich in Nord-Urundi alte, sehr originelle Holz- und Korbschilde, die jetzt nur mehr bei Tänzen dienen.

Einen Verkehr mit der Aussenwelt kennen die Warundi nicht, weder kommen jemals Karawanen in's Land, noch verlassen die Bergwarundi ihre Heimath. Sie gehen niemals nach Ussui oder Ruanda, ebenso nicht zum Tanganyika, sondern verkehren höchstens mit Uha, woher sie Salz und Messing beziehen. Die Tanganyika-Warundi allerdings haben durch jahrelangen Verkehr mit Arabern und Swahíli ihre Sitten vielfach modificirt, reisen öfter nach Ujiji und ziehen sogar mit an die Küste.

In so grossartiger Weise ich auch das Volksleben in Urundi kennen lernte, so wenig bot sich mir bei dem herrschenden Begeisterungstaumel Gelegenheit, näheres über das innere Leben der Warundi zu erfahren. Diesbezügliche Erkundigungen konnte ich nur am Tanganyika einziehen, so dass die nachfolgenden Bemerkungen sich hauptsächlich auf die Bewohner des Seeufers beziehen, bei der grossen Einheitlichkeit des Stammes aber wohl in den Hauptsachen für alle Warundi gelten.

Nach der Geburt eines Kindes bleibt die Mutter sieben Tage in der Hütte. Sobald dem Kinde Haare wachsen, wird ein Familienfest abgehalten, wobei Pombe getrunken und ein Schaf geschlachtet wird, dessen Blut man mit dem festen Abfall des Pombe (Maische) in eine Grube giesst. Diese wird wieder ausgefüllt, mit Gras bestreut und ein Topf mit Doppelöffnung darauf gestellt. Dabei werden die Geister der Vorfahren beschworen das Kind zu schützen. Hierauf wird das Kind rasirt, die Haare werden mit Pombeabfall angemacht und in einer Schachtel aufbewahrt. Diese gilt als ein Talisman und bleibt stets am Geburtsort des Kindes. Gelegentlich dieses Festes erhält das Kind drei Namen vom Vater, Mutter und der Grossmutter (mütterlicherseits) die es lebenslang behält. Ein Kind, welchem die oberen Schneidezähne zuerst wachsen, gilt als unglückbringend und wird in den Busch geworfen. Am Tage des Reifwerdens eines Mädchens, wird dieses von der Grossmutter im Hause umhergeführt und muss alle Gegenstände berühren.

Topf der Warundi.