Der Vater wählt dem Sohne eine Gattin und bezahlt den Brautpreis, der meist in zwei Ochsen oder dem Aequivalent besteht. Das junge Ehepaar bleibt sieben Tage in der Hütte, während welcher ein Fest gefeiert wird. Vielweiberei ist gebräuchlich.
Die Warundi sind ein körperlich gesundes Volk, Kranke und Krüppel sieht man nur wenige. In gewissen Gegenden sind Augenleiden sehr häufig und man trifft verhältnissmässig viele Blinde und Einäugige. In das Gebiet der Krankheiten gehört auch die besonders am Tanganyika häufige Geophagie (Erdesserei). Töpferthon geniessen dort viele Leute mit Vorliebe, manche Kinder verschlingen jedoch mit Gier alle Arten Erde und magern zu Skeletten ab, während der Bauch unförmlich anschwillt. Die Pocken grassiren öfter im Lande und richten besonders am Tanganyika Verheerungen an. Der Sandfloh ist fast schon über ganz Urundi verbreitet und wird vielfach zur unerträglichen Landplage.
Zaubergeräth, Klapper der Zauberdoktoren in Warundi.
Die Behandlung der Kranken obliegt dem Zauberdoktor, einem Mann oder alten Weib. Derselbe trägt einen Kopfputz von Federn, bemalt sich im Gesicht mit Mergel, führt einen Bastsack mit Amuletten mit sich und rasselt mit einer Klapper während er mit heiserer Stimme singt. Ist Jemand von einem Geist besessen, so finden Tänze statt, ein Schaf wird geschlachtet und der Kranke im Fluss gebadet.
Die Warundi glauben nicht an natürlichen Tod, sondern nur an solchen durch Zauberei, darum schneiden die Angehörigen allen Todten den Bauch auf und suchen darin den Zauber. Dann gehen sie mit einem Geschenk zum Zauberdoktor, das sie jedoch vor seinen Augen verbergen. Als Probe seiner Geschicklichkeit muss er die Grösse des Geschenkes errathen. Dann wird ein Topf mit Wasser und Zaubermedizin aufgestellt, den alle Dorfinsassen haben müssen. Wer dies nicht kann, ist der Zauberer, der den Verstorbenen getödtet, er wird gebunden und getödtet (in den Tanganyika geworfen), worauf die Angehörigen des Verstorbenen sein Vermögen einziehen.
Der Todte wird auf der rechten Seite liegend ins Grab gelegt. Stirbt ein Hausvater, so wird er in der Hütte begraben und diese hierauf verlassen, andere begräbt man vor der Hütte.
Die ganzen religiösen Anschauungen der Warundi lassen sich auf den Ahnenkultus zurückführen. Selbst der Mwesi-(Mond)-Glaube ist nichts anderes als dieser, indem die Herrscher des Landes ihre Abkunft vom Mond herleiteten.
Als Schutz gegen böse Geister, die in Flüssen und Bäumen wohnen, wird Zauber-Pombe an die Hütten gespritzt. Hat man Grund zu glauben, dass der Geist eines Verstorbenen unzufrieden sei, so wird ein junger Anverwandter desselben auf den Boden gelegt und ihm mit einer Hacke auf den Kopf geklopft. Er äussert dann die Wünsche des Verstorbenen.
Den Verkehr mit den Geistern vermittelt der Zauberdoktor, dieser macht auch Regen und wahrsagt aus Hühnerdärmen. Einzig zu diesem Zwecke werden überhaupt Hühner gehalten und niemals gegessen. Auch Ziegen isst man nicht; die Warundi-Männer geniessen nur Schaf- und Rindfleisch, die Weiber nur das letztere.