Den Charakter der Wanyamwesi hat Paul Reichard mit grossem Geschick beschrieben. Bei allen ihren Fehlern ist ihnen doch ein ausserordentlicher Unternehmungsgeist und eine für Afrikaner seltene Arbeitskraft eigen, welche sie zu einem wichtigen Kulturelement macht.

Wohnhütte

Vorrathshütte

Geisterhütten

Taubenschlag

der Wanyamwesi von Urambo.

Die Wohnung sämmtlicher Wanyamwesi ist die Rundhütte mit Kegeldach und cylindrischem, lehmverputzten Unterbau. In Usukuma und in den westlichen Distrikten hat sich diese Form noch rein erhalten, in der weiteren Umgebung Tabora's wird die Hütte jedoch allmählich durch den Tembe ersetzt. Zu Speke's Zeiten, also Anfang der sechziger Jahre, gab es solche noch viel weniger und ältere Leute erinnern sich auch noch sehr genau an die Entstehung des Tembebaus. Derselbe fällt mit der Einführung der Feuerwaffen zusammen, gegen welche die alten Befestigungsformen nicht genug Schutz boten. Man erbaute daher um die Rundhüttendörfer Tembenringe, deren Styl halb den Arabern Tabora's, halb den Wagogo entlehnt war.

Ursprünglich waren diese Temben reine Befestigungen und nicht bewohnt; ich fand heute noch solche unbewohnten Tembenringe in Kirambo. Später zwang der Raummangel sie zu bewohnen, neue Aussenbauten mussten natürlich im Tembestyl erbaut werden und nach und nach entwickelten sich aus den Dörfern förmliche Labyrinthe, deren Mittelpunkt jedoch noch sehr oft einige grosse Rundhütten des Häuptlings einnehmen. — Die Temben haben rechteckigen Querschnitt, sind aber mannshoch und besitzen glattverputzte Wände und ein ebensolches Dach. Gegen aussen und gegen die Eingänge zu sind sie mit Schiessscharten versehen und bilden oft recht starke kleine Festungen (Abb. pag. 62, 93 u. 113).

Die grössten und schönsten Rundhütten in Unyamwesi, überhaupt im Innern Afrika's, sah ich in Urambo. Sie sind sehr sorgfältig und fest erbaut und haben ca. 10-15 m Durchmesser und 12-30 m Höhe. Letztere Höhe sah ich bei den wahrhaft pyramidalen beiden Hütten des Häuptlings Mlamira von Kirambo, in welchen Hunderte von Menschen Platz haben. Sie ähneln im Styl den Hütten der Wasegua. Ein Verandaraum, dessen Aussenwand theils mit Lehm ausgefüllt ist, theils nur aus Pfosten besteht, umschliesst ringförmig den cylindrischen Innenraum, der meist keine Theilung hat und mit dem Dach einen sehr hohen Raum bildet. Darin steht das Bett aus glatten Brettern und der Feuerheerd, bestehend aus drei festgebrannten Lehmkegeln. Das Dach ohne Mittelpfeiler ist stark geneigt und mit ziegelförmig übergreifenden, koncentrischen Grasschichten sorgfältig gedeckt. Das Getreide wird in eigenen Vorrathshütten untergebracht.