Aehnlich, doch weit mangelhafter sind die Hütten der Wasegua errichtet. Sie besitzen ebenfalls keinen Mittelpfeiler. Der Innenraum ist meist durch eine Querwand in zwei Hälften getheilt, deren vordere das Vieh, die hintere, ganz dunkle die Menschen bewohnen. In einem durch Stangen abgegrenzten Dachraum sind mächtige Vorrathskörbe für Getreide aufgestapelt.

In Usukuma sind die Dörfer nicht selten wie in Schaschi durch buschige Euphorbienhecken in kleine Komplexe getheilt. Fast stets schliessen sie sich an die felsigen Granithügel der Gegend, die als natürliche Befestigungen dienen und deren Klüfte im Nothfall einen Zufluchtsort bieten. In den Wasumbwa-Gegenden überwiegt der Stangenzaun noch vor der Tembebefestigung, während diese sonst überall vorherrscht.

Im Gegensatz zu vielen ihrer Nachbarn, welche, wie die Warundi, in Weilern hausen, sind die Wanyamwesi echte Dorfbewohner und vereinen sich stets zu oft sehr ansehnlichen Niederlassungen. Vielleicht hat dieser, durch die kriegerischen Verhältnisse begünstigte Geselligkeitstrieb viel zu der Entwickelung dieses Volkes beigetragen. Wenigstens findet man in Urambo, wo die grössten Dörfer liegen und alle Bewohner sich in ausgedehnten Ortschaften koncentriren, auch die höchste Kultur in Unyamwesi.

Die Wanyamwesi sind sehr tüchtige Ackerbauer, ihre Felder sind gut gehalten und werden mit grosser Sorgfalt gepflegt. Die Hauptnahrungspflanze ist Sorghum. Neben dieser wird auch vielfach Mais und Mawele (Penicillaria), in Usmau, Urambo und Unyanyembe auch Reis gebaut, der durch die Araber eingeführt wurde. Ausserdem giebt es fast überall Hülsenfrüchte, Mais, Pataten, Kürbisse, Gurken, Grundnüsse, seltener Bananen, Tomaten und Maniok. Baumwolle wird in Usukuma, Tabak und Hanf überall angebaut. Wo die Wanyamwesi mit Arabern und Küstenleuten in nähere Berührung kamen, merkt man deren Einfluss in der Anlage der Felder und in dem Vorhandensein fremder Kulturpflanzen, an welche sie sich rasch gewöhnen. Ausser dem Reis haben sie in vielen Gegenden auch Obstbäume, Citronen, Mangos, Guayaven und Papayas übernommen.

Den Sorghum pflegt man nach der Ernte auf flachen Steinplatten mit langen Stangen zu dreschen, sodann wird er in Holzmörsern weiter enthülst und in den Vorrathsbehältern aufbewahrt. Auf flachen Steinplatten wird er mit einem Reibstein zu Mehl gemahlen. Nach der Arbeit wird der Mahlstein mit einem eigenen Besen reingekehrt. Durch das fortwährende Reiben wird die Steinplatte nach und nach ausgehöhlt und die Granitfelsen Usukuma's tragen oft derartige Vertiefungen, die auf alte Dorfstätten schliessen lassen, wo sonst längst keine Spur mehr von solchen vorhanden ist.

Feldbeil der Wanyamwesi.

Die Viehzucht hat in Unyamwesi durch die Rinderseuche stark gelitten, welche einen grossen Theil der Zeburinder wegraffte, so dass man solche nur selten antrifft. Doch giebt es überall und besonders in Usukuma viele Ziegen und Schafe, letztere mit sehr schwachem Fettschwanz, sowie Hühner, deren Eier nicht gegessen werden. Tauben findet man besonders in Urambo, wo sie in netten Taubenschlägen gehalten werden. Die Wanyamwesi essen Fische in vielen Gegenden garnicht und schätzen dieselben überhaupt nicht sehr, während sie (hauptsächlich die Wakonongo) gedörrte Maden mit Vorliebe geniessen. Tabakrauchen ist bei Männern und Weibern sehr beliebt, auch der Hanf, der aus Kürbiss-Wasserpfeifen geraucht wird, ist weit verbreitet.

In vielen Gegenden jagen die Wanyamwesi eifrig; es giebt unter ihnen berufsmässige Elephantenjäger (Makua), die den Küsten-Makua starke Konkurrenz machen.

In den Geräthen und Waffen der Wanyamwesi zeigt sich ebenfalls die Tendenz, von anderen Stämmen ihnen passendes zu entlehnen und nach eigenem Ermessen abzuändern.