Besonders interessant ist das eingeborene Baumwollenzeug, ein ungemein festes Gewebe, welches schwarze und gelbe Streifen und einen Quastensaum hat.[25] Es ist jedenfalls eine Nachahmung der Küstenbaumwollzeuge, zu welcher wohl ursprünglich Swahíli oder Araber die Anleitung gaben. Diese Stoffe wurden viel erzeugt als Küstenzeug noch selten war. Gegenwärtig hat die Herstellung dieses Zeuges im südlichen Unyamwesi ganz aufgehört und beschränkt sich auf Usukuma. Rindenzeug wird, wie erwähnt, fast garnicht mehr gefertigt.

In Schmiedearbeiten sind die Wanyamwesi recht geschickt; die Hackenklingen beziehen sie zwar aus Usinja und auch in Usukuma sind die Schmiede meist Warongo aus Usinja, doch im Süden, besonders in Urambo, trifft man einheimische Arbeiter. Diese hausen in eigenen offenen Hütten und verstehen selbst Gewehrbestandtheile zu repariren. Sie benutzen nicht selten Schraubstöcke und andere Geräthe von der Küste.

An Waffen trifft man sehr verschiedenartige Formen. Im Süden des Landes, hauptsächlich in Urambo und Unyanyembe, herrschen Kapselgewehre vor, in Usukuma sind solche noch sehr selten. Als ursprüngliche Waffe der Wanyamwesi erscheint der Wurfspeer mit eingelassener Spitze, wie er heute noch im östlichen Usukuma in charakteristischer Form gebraucht wird (Abb. pag. 61). Daneben giebt es allerlei Arten Zwingenspeere: kurze mit Messingverzierung, lange mit lanzettförmiger Spitze und Paradespeere (in Ntussu), die im Kleinen die Massai-Speere nachahmen. Wuchtige Spiesse mit eingelassenem Dorn werden auf Elephantenjagden benutzt; deren Spitze ist manchmal vergiftet. Nur bei Tänzen dient die in Usukuma übliche alte Form der Wataturu-Speere.

Leichte Bogen mit Pfeilen und Köcher trifft man überall, die Pfeile werden nicht selten vergiftet. Schilde giebt es fast nur in Usukuma, sie sind aus Büffelhaut, länglich mit einer Einkerbung in der Mitte (Abb. pag. 61).

Als Musikinstrumente dienen die halb eiförmig geformten Karawanen-Trommeln (Mganda), Antilopenhörner und lange aus Rohr und Kalebassen gefertigte Trompeten.

Korbwaaren werden mit grossem Geschick gefertigt und es dient dazu eine eigene Nadel. Ebenso sind grosse und kleine Töpfe hübsch ausgeführt.

Besonders charakteristisch für die Wanyamwesi ist der Karawanenhandel, der den tiefgehendsten Einfluss auf ihr ganzes Dasein ausübt. Während fast alle anderen Stämme Ostafrika's, selbst jene unweit der Küste, in ihrer bedürfnisslosen Indolenz ruhig daheimbleiben und höchstens genehmigen, dass Karawanen von der Küste zu ihnen kommen, haben die Wanyamwesi schon seit Jahrzehnten selbst Karawanen zusammengestellt und dieselben nach der Küste sowohl, wie auch nach entfernten Elfenbeingegenden gesandt. So alt übrigens als man vielfach annimmt — also etwa bis ins klassische Alterthum zurückreichend — ist dieser Karawanenhandel keineswegs. Dies beweist nicht nur die überall verbreitete Tradition, sondern auch die ungeheuere Zunahme, welche der Karawanenverkehr und damit die Einführung europäischer Erzeugnisse seit den sechziger Jahren genommen und der Umstand, dass gewisse Stämme notorisch erst in ganz jüngster Zeit sich an diesem Handel betheiligt haben.

Korbnadel,
Wasukuma.

Köcher
aus Urambo.