Elephantenjagd-
speer, Wasukuma.

Speerform der
Wanyamwesi.

Speer,
Usukuma.

Einen Anhaltspunkt für das Alter des Karawanenverkehrs bietet uns der Stammbaum der Häuptlinge von Unyanyembe:

Swetu I.
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Fundikila
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Miasere --------+
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Swetu II. Kiunge (Ziehsohn)
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Bibi Niasso Isike.

Swetu I. soll alt geworden sein, Fundikila starb als reifer Mann, Miasere starb jung und hinterliess den unmündigen Swetu II., an dessen Stelle sich sein Ziehsohn, Kiunge, der Herrschaft bemächtigte. Dessen Sohn war der bekannte Isike (Sike), dessen Feste 1893 von Lieutenant Prince gestürmt wurde, worauf Bibi Niasso eingesetzt wurde.

Swetu I. hat also vor höchstens 100 Jahren regiert. Unter seiner Regierung drangen die Elephantenjäger Mparangombe und Ngogome aus Usagusi — die heute noch in zahlreichen Liedern verherrlicht werden — so weit nach Osten vor, dass sie mit zeugtragenden Eingeborenen und Küstenhändlern zusammentrafen. Letzteren folgten sie an die Küste und gaben dann, in die Heimath zurückgekehrt, den Anstoss zur Eröffnung des Karawanenverkehrs. Das Erscheinen der Wanyamwesi an der Küste gab auch den Swahíli und Arabern Veranlassung in dieses neuerschlossene Land einzudringen. Dies geschah ca. 1830; doch erst 1846 wurde Tabora begründet, nachdem eine etwas ältere Niederlassung in Msenne bei Urambo aufgelassen worden war. Das Jahr der Begründung Tabora's ist vielen dort lebenden Arabern genau bekannt.

Das Vorhandensein Tabora's als Handelsemporium gab den Wasukuma Veranlassung dorthin zu kommen und ihre Produkte umzutauschen. Diese waren früher niemals aus ihrem Lande, geschweige denn an die Küste gekommen und erinnern sich daran, dass Swahíli, die aus dem Massai-Lande, also wohl von Tanga oder Mombas kamen, ihnen zuerst Baumwollzeuge brachten. Auch nach Begründung Tabora's kamen die Wasukuma Jahre lang nur dahin und ziehen erst seit ca. 20 Jahren nach der Küste.

Die grösste Bedeutung hat der Karawanenhandel bei den Wasumbwa des westlichen Unyamwesi erlangt, die überhaupt die höchste Entwicklung ihres Stammes darstellen. Sie unternehmen Züge nach Unyoro, Ruanda und Manyema, früher reisten sie auch nach Umbugwe und an die Grenze des Massai-Landes, doch hat dies aufgehört, seit die Wasukuma ihnen dort zu starke Konkurrenz machen. Diese bereisen die Uferländer des Victoria-Nyansa bis nach Kavirondo hin. Sobald diese Handelszüge genügend Elfenbein gebracht haben, wird eine Karawane nach der Küste zusammengestellt, an der sich auch viele Leute betheiligen, die dort Arbeit und Verdienst suchen. Mit Zeug und andern Artikeln reich beladen kehren die Karawanen in die Heimath zurück, um bald wieder neue Züge nach entfernten Gegenden zu unternehmen.

Die Wanyamwesi sind tüchtige, sehr ausdauernde Träger, allerdings nur auf Karawanenstrassen brauchbar, wo sie reichlich Wasser und Nahrung bekommen. Sie haben die unangenehme Eigenschaft nur auf den Schultern zu tragen, so dass die Lasten alle länglich oder in Halblasten, Midalla, verpackt werden müssen, die an die Enden einer Stange gebunden werden können. Diese scheuert die Schulter des Trägers nicht selten blutig, was ihn jedoch wenig zu kümmern scheint.