Hüttenamulett der Wasukuma.

Amulettfigur der Wasukuma.

Die Häuptlingswürde ist thatsächlich erblich, dem Namen nach besteht ein Wahlkönigreich, doch wird eben fast immer der Sohn oder sonst nächste Verwandte des verstorbenen Häuptlings gewählt. Manche Häuptlingsfamilien behaupten von Watussi abzustammen, doch lässt ihr Typus davon jedenfalls nichts mehr erkennen. Kleine Stammkriege sind häufig und werden mit ziemlicher Erbitterung geführt, die Dörfer des geschlagenen Feindes werden verbrannt. Kriegsgefangene werden zu Sklaven gemacht und meist an Küstenleute verkauft. Im Lande selbst findet man auch ziemlich viele Sklaven aus Manyema, vom Tanganyika u. s. w., die sich guter Behandlung erfreuen.

Grössere Kriegs- und Raubzüge werden von einzelnen Häuptlingen mit ihren »Ruga-Ruga« (Räubern) ausgeführt, die phantastisch geschmückt ins Feld ziehen und oft zur wahren Landplage werden.

Die Wanyamwesi sind ein kriegerischer und muthiger Stamm, besonders wenn es sich um die Vertheidigung von Haus und Feld gegen einen wirklichen oder eingebildeten Feind handelt. Sie sind dann weit ernstere Gegner als etwa die Massai und wissen ihre zahlreichen Gewehre und ihre festen Dörfer tüchtig auszunutzen. Europäern sind sie im Allgemeinen geneigt und wenn es doch in Unyamwesi zu Kämpfen kam, so ging die Veranlassung dazu von Leuten aus, welche, wie Isike von Tabora, Feinde jeder geordneten Regierung sind. Der durchaus praktische Sinn der Wanyamwesi erkennt weit leichter als andere Eingeborene den ungeheueren Vortheil, den der direkte Verkehr mit Europäern für sie haben kann. Missionare und Reisende fanden denn auch niemals ernste Schwierigkeiten in Unyamwesi, erstere werden überall als Freunde betrachtet, haben allerdings im Bekehrungswerk fast gar keinen Erfolg, da der Mnyamwesi in religiöser Beziehung vollkommen gleichgiltig ist. Selbst der Islam, der doch sonst auf schwarze Naturmenschen eine zauberhafte Anziehungskraft ausübt, macht in Unyamwesi gar keine Proselyten.

Im Gegensatz zu den phantasiereichen, leicht erregbaren Waganda sind die Wanyamwesi eben durchaus materiell angelegte praktische Leute, die von Fremden nur das annehmen, was für ihre Bequemlichkeit förderlich ist. Man kann daher in Urambo, drei Monate von der Küste, reinlichere und besser bekleidete Menschen und schönere Felder und Dörfer antreffen, als etwa im Wadigoland, drei Stunden von der Küste. Diese leichte Aneignung neuer Bedürfnisse, verbunden mit grossem Unternehmungsgeist und bedeutender Arbeitskraft, lassen die Wanyamwesi als ein für koloniale Zwecke hoch geeignetes Menschenmaterial erscheinen. Deutschland kann sich beglückwünschen, ein solches Volk in seinen Schutzgebieten zu besitzen und die Engländer würden wohl gern ihre vielgepriesenen, intelligenten aber faulen und fanatischen Waganda hergeben, wenn sie dafür so ruhige, unermüdliche Arbeiter eintauschen könnten, wie die Wanyamwesi.

Zum Schluss sei es auch hier gestattet, die Völker des Nyansa-Tanganyika-Gebietes überblickend, einen Schluss auf deren ursprüngliche Wanderungen zu ziehen.

Als Ureinwohner dieser Gebiete erscheinen die Pygmäen-Völker, Jägerstämme von niedrigem Körperbau, die mit Bogen und Pfeil dem Wild nachstellten. In Urundi treten sie als Watwa noch heute auf und bilden die Verbindung mit den gleichnamigen Pygmäen-Stämmen der Kongowälder. Im Osten sind sie durch die Wanege der Wembere-Steppe vertreten, während sie in den dicht bewohnten centralen Gebieten völlig verschwunden sind.

Diese wurden von einem mächtigen Bantustamm mit der Wandertendenz von Nord nach Süd, den Nyansa- (Zwischenseen-) Völkern, eingenommen, welche die Ufergebiete des Victoria-Nyansa in West und Ost und den grössten Theil des heutigen Unyamwesi einnahmen. Auf sie drückten die Wanyamwesi mit der Wandertendenz von Süd nach Nord, erreichten den Victoria-Nyansa und theilten die Nyansa-Völker in zwei Gruppen, die sich von da ab selbstständig entwickelten. Es sind dies die östlichen Nyansa-Völker, bestehend aus den Waschaschi, Wanyairamba und Wanyaturu, von welchen die Waschaschi sprachlich zweifellos der Wanyoro-Gruppe angehören, während die Wanyairamba und Wanyaturu aus ethnographischen Gründen diesen Stämmen beigezählt werden müssen, und die westlichen Nyansa-Völker. Diese bestehen aus den Völkergruppen, die sich von Unyoro bis Ussambiro und Usinja im Westen des Victoria-Nyansa ausdehnen.