Gneissen
sind in Dr. Baumann's Sammlung vertreten Biotitgneiss, Muscovitgneiss, Zweiglimmergneiss und ferner je ein Vorkommen von Hornblendegneiss und Epidotgneiss.
Normale, meist feinkörnige Biotitgneisse liegen vor von
1) der »Schlucht bei Donyo Kissale, 26. Febr. 1892«,
2) »Plateau-Abfall nördlich vom Eyassi-See, I. Stufe Str. NO.-SW, F. SO. 20°. 25. März 1892«,
3) »Abfall des Iraku-Plateau, Str. NO, F. ┴. 18. Januar 1893«,
4) »Abfall des w. Grabenrandes bei Umbugwe, Str. NO., F. NW. circa 70°. 17. Januar 1893«.
Der körnig-streifige Gneiss aus der Schlucht bei Donyo Kissale weist im Handstück einen lagenweisen Wechsel von glimmerarmen Feldspath- und glimmerreichen Quarzzonen auf; die ersteren zeichnen sich überdies durch eine etwas intensivere Gelbfärbung in Folge des hier reichlicher vorhandenen ockerigen Pigmentes aus. Die tiefschwarzen Biotitblättchen werden auch im Dünnschliff nur schwer an den Kanten durchscheinend, Quarz zeigt hin und wieder gute krystallographische Ausbildung in Form von kurzen Prismen mit terminaler Endigung, während Feldspath nur in irregulären Körnern zu beobachten ist. Von Accessorien finden sich Turmalin, Zirkon und Apatit in den gewöhnlichen, meist rundkantigen Gestalten.
In dem Gneiss vom Plateauabfall am Eyassi-See ist die Scheidung der Gemengtheile in nahezu reine Glimmer- und ebensolche Quarzfeldspathlagen eine noch ausgesprochenere. Im Dünnschliff ist bei den letzteren eine relativ sehr ansehnliche Betheiligung von Plagioklas zu konstatiren; Struktur- und Polarisationsverhältnisse der meisten Quarze und Feldspathe lassen im Uebrigen auf hochgradige Pressionswirkungen schliessen, denen dieser Gneiss ausgesetzt gewesen sein mag. Das Gleiche gilt auch von dem Gestein vom Abfall des Iraku-Plateau; dieses zeigt aber im Allgemeinen eine gleichmässigere Vertheilung seiner Bestandtheile, von denen die Feldspathe zur Neubildung von Muscovit und Skapolith Veranlassung gegeben haben. Bedeutend glimmerärmer ist der bräunlich gefärbte Gneiss von Umbugwe, von dem leider nur eine sehr bröckelige Probe vorliegt. Die sehr corrosive Beschaffenheit seiner Bestandtheile möchte man übrigens nicht auf mechanische Einflüsse, sondern lediglich auf Verwitterung zurückführen; denn die Quarze und Feldspathkörner erscheinen quasi in situ zerfallen, zersprengt, ohne dass, wie es doch sonst in gequetschten Gesteinen immer der Fall ist, eine Verschiebung der einzelnen Partikelchen gegen einander oder auch die Bildung jener charakteristischen Mosaikstruktur eingetreten wäre. Die Polarisationserscheinungen verrathen das Vorhandensein bedeutender Spannungsdifferenzen im Innern der einzelnen, durch einen farblosen Quarzkitt wieder zusammengeheilten Partikel; denn nur höchst selten findet man sie einheitlich polarisirend, fast allgemein lassen sich hingegen die buntesten Interferenzerscheinungen in Gestalt von mehr oder weniger vollkommenen, grellfarbigen Ringsystemen beobachten. In Anbetracht dieser Verhältnisse drängt sich dem Beobachter der Gedanke auf, dass hier im Kleinen die Quarz- und Feldspathindividuen in ganz ähnlicher Weise unter dem Einfluss der tropischen Sonne, bezw. des raschen und bedeutenden Temperaturwechsels zersprungen sind, wie im Grossen die Quarzgerölle der nordafrikanischen und nordamerikanischen Wüsten. Dass gleichzeitig auch die Hydrometeore sehr energisch wirksam gewesen sind, beweist die reichliche Ausscheidung von Eisenoxydhydraten, welche die Glimmertafeln als matte erdige Zonen umgeben oder als schleierhaft dünne, zuweilen dendritische Ueberzüge auf den Grenzflächen der einzelnen Quarz- und Feldspathindividuen sich abgelagert haben und durch ihre Menge dem Gestein im Ganzen die erwähnte gelblichbraune Färbung verleihen.
Granulitähnlich durch die Concentration der in geringen Mengen vorhandenen Biotitblättchen auf dünne, einander im Abstand von 2-3 cm parallel laufende Zonen und ferner durch die Parallelverwachsung von Quarz und Feldspath erscheinen die Biotitgneisse von