»Ruanda, 14. September 1892, 9h 17 a. m. Str. SSO-NNW F. SSW ca. 70° undeutlich«
vor. Makroskopisch bereits verräth die eigenthümlich gelbliche Färbung der Quarz-Feldspathpartien in dem dünnschieferigen, sehr glimmerreichen Gestein die Anwesenheit von Epidot, dessen mehr als accessorische Betheiligung weiterhin die Untersuchung des Dünnschliffs ergiebt. Obwohl grösstentheils farblos und nur in einigen wenigen grösseren Individuen den bekannten Pleochroismus in gelblichen Tönen zeigend, hebt sich doch der Epidot von den anderen, gleichfalls ungefärbten Gesteinbestandtheilen im Präparat durch seine starke Lichtbrechung, durch das beim Anschleifen der zahllosen, in ihm enthaltenen Hohlräume entstehende, narbig-rauhe Relief und durch pyroxenähnliche Spaltbarkeit deutlich ab. Seine Menge überwiegt diejenige des Feldspaths ganz bedeutend; der Epidot bildet somit einen wesentlichen Gesteinbestandtheil, von dem es nur noch zweifelhaft sein kann, ob er als primäres Mineral oder secundäres Product zu betrachten ist. Obwohl die Feldspathe, Orthoklas, wie die reichlicher vorhandenen Plagioklase im Ganzen wenig angegriffen erscheinen, legen doch die innigen Verwachsungsverhältnisse zwischen ihnen und der Epidotsubstanz die Vermuthung nahe, dass sie auch in genetischen Beziehungen zur letzteren stehen, d. h. dass der Epidot, wie auch sonst häufig eine auf Kosten der Feldspathe entstandene Neubildung darstellt, welche hier die Stelle der in diesen Gesteinen gewöhnlichen Kaolin- oder Skapolithbildung vertritt. Biotit ist in reichlicher Menge vorhanden, bald in grösseren Individuen, bald in faserig-schuppigen Haufwerken von gelblich-brauner Farbe. Von Accessorien seien Apatit, Zirkon, röthliche, lebhafte pleochroitische Titanitkrystalle und ein Schwefelerz zu nennen, das wegen seiner dunklen, etwas in's röthliche schimmernden Farbe wohl als Magnetkies anzusprechen ist.
Von
Granulit
liegt nur ein einziges Vorkommen vor, nämlich von
»El Muti, 20. Februar 1892«.
Das Gestein zeigt plattige Absonderung und besteht aus einer feinkörnigen röthlich gefärbten Feldspathmasse, in der farblose Linsen von Quarz in strenger Parallellagerung eingewachsen sind, so dass auf dem Querbruch eine typische Flaserstruktur zum Ausdruck kommt. Glimmer fehlt, wie auch die mikroskopische Untersuchung zeigt, als Gesteinsbestandtheil vollständig, dagegen ist er in Form von violett-bräunlichen Blättchen als accessorischer Einschluss in den Quarzen nicht selten, in denen auch durch ihre bräunlich-rothe Farbe wohl unterscheidbare Eisenglanztäfelchen häufig eingesprengt erscheinen. Bei den Feldspathen fällt die ausserordentlich geringe Betheiligung von Plagioklas auf; die Hauptmasse bildet gewöhnlicher Kalifeldspath, der die ersten Anfänge der Kaolinisirung aufweist; sporadisch finden sich auch perthitisch struirte Körnchen und solche mit Mikroklingitterung. Im Allgemeinen zeigt das Gestein mikroskopisch nicht die Wirkungen einer bedeutenden mechanischen Beeinflussung; auch der polysynthetische Bau der bis über ½ cm im Durchmesser erreichenden Quarzlinsen deutet nicht auf solche, sondern lässt sich einfach auf eine primäre Verwachsung krystallographisch etwas abweichend orientirter Individuen zurückführen.
Aus der Familie der
Krystallinischen Schiefer
im engeren Sinne sind Glimmerschiefer und Phyllite, namentlich aber Quarzitschiefer und Hornblendeschiefer in den verschiedensten Varietäten in der Sammlung Dr. Baumann's vertreten, letztere offenbar deshalb in grösserer Zahl, weil sich diese Gesteine bei dem geringen Grad ihrer Verwitterung und ihren auffallenden Farben im Vergleich zu anderen dem Sammler im archäischen Terrain von selbst aufdrängen.