»Njogomo-Hügeln, 27. März 1892«,

haben wir eine ganz ähnliche, sanidinitartige Grundmasse, jedoch unterscheidet sich dieselbe von jener der zuletzt geschilderten Gesteine durch etwas gröberes Korn und namentlich durch die Beimengung eines augitischen Bestandtheils. Dieser Augit tritt in rundlichen, nicht selten mit Magnetit verwachsenen Körnchen von lichtbläulichgrüner Färbung auf, welche beim Mangel irgend welcher krystallographischer Begrenzung und deutlicher Spaltbarkeit leider keinerlei optische Bestimmungen gestatten; der Farbe und dem Habitus der Körnchen nach dürfte jedoch ein gewöhnlicher, vielleicht etwas eisenärmerer Augit, wie er sonst den jüngeren Eruptivgesteinen eigen ist, vorliegen. Mit der bräunlichen Glasbasis und, wie sie in ihren Umrissen ausschliesslich durch die geradlinigen Begrenzungsflächen der Feldspathleistchen bedingt, erscheinen zwischen den letzteren nicht selten braune, stark pleochroitische Blättchen, deren Zugehörigkeit zum Biotit im Hinblick auf die, allerdings erst bei stärkerer Vergrösserung wahrnehmbaren, feinen parallelen Spaltrisse und den, den meisten Magnesiaglimmern im Vertikalschnitt eigenthümlichen bronzeartigen Schiller, nicht zweifelhaft erscheinen kann. Kleine gedrungene Apatitprismen und zahlreiche oktaedrische Magnetitkörnchen bilden die accessorischen Gemengtheile dieser Grundmasse, die eine ausgesprochene Fluidalstruktur besitzt. Wie auch in den übrigen Trachyten bestehen die vereinzelten Einsprenglinge, deren Grösse aber 2 mm nicht überschreitet, zumeist aus Feldspath, hier jedoch einem polysynthetisch verzwillingten Plagioklas, dessen optische Verhältnisse auf Andesin deuten; neben diesen kommen auch wohlausgebildete Augite von etwas dunklerer, mehr ins Röthliche spielenden Färbung vor, als sie den kleinen Augitkörnchen der Grundmasse eigen ist. Sie lassen einen schwachen Pleochroismus wahrnehmen; im Uebrigen besitzen sie keine besonders bemerkenswerthen Eigenschaften und weichen auch in ihrem optischen Verhalten — die Auslöschungsschiefe auf dem Klinopinakoid beträgt etwa 45-48° — nicht von dem gemeinen Augit der jüngeren Eruptivgesteine ab. Sehr selten sind endlich kleine Einsprenglinge von braunen Hornblendefragmenten mit breiten opacitischen Rändern; auch die ohne Hornblendekern auftretenden opacitischen Haufwerke dürfen demnach als Resorptionsproducte wohl ohne Weiteres auf ursprünglich vorhandene Amphibole bezogen werden.

Zur Familie der Augittrachyte gehören ferner noch zwei graue, sehr poröse und feinkrystalline Gesteine vom:

1. »Plateauabfall nördl. vom Eyassi-See, 23. März 1892«

und den

2. »Njogomo-Hügeln, 27. März 1892«,

welche man mit Rücksicht auf die vereinzelt eingestreuten Olivinkörner und die, durch ein schwärzliches Mineral erzeugte, relativ dunkle Färbung der Grundmasse bei oberflächlicher Betrachtung für Basalte halten könnte. Die nähere Untersuchung ergiebt jedoch, dass die Feldspathe der Grundmasse Sanidine sind und unter den Feldspath-Einsprenglingen gleichfalls die Sanidine vorwalten, sowie ferner, dass jene scheinbar opaken Körper zu einem sehr geringen Bruchtheil dem Magneteisen, zumeist dagegen einem dunkelgefärbten Bisilicat angehören, das nur in sehr dünnen Schnitten mit brauner Farbe durchscheinend wird. Obwohl die formale Ausbildung dieses Minerals eine sehr unvollkommene ist und dasselbe fast durchweg entweder in ganz unregelmässig begrenzten, fetzenartigen Gebilden oder in längsgefaserten, quergegliederten Säulchen, die sehr häufig zu mikrolithischen Dimensionen herabsinken, auftritt, so ist doch bei den letzteren innerhalb der braunen Grundfarbe ein geringer Pleochroismus zwischen röthlichen (parallel zur Vertikalaxe) und gelblichen Tönen (in der Querrichtung) erkennbar; eine Auslöschungsschiefe ist mit Sicherheit jedoch nicht zu beobachten, so dass die Entscheidung, ob hier Hornblende oder ein rhombischer Augit oder gar Akmit vorliegt, ohne weitergehende Untersuchungen nicht möglich erscheint. Verhältnissmässig am nächsten liegt noch, das Mineral als einen durch Verwitterung gefaserten und durch Imprägnation mit Eisenoxydhydraten tief gefärbten Hypersthen zu deuten, auf den auch die erwähnte Mikrostruktur passen würde. Neben diesem mit Sicherheit nicht zu bestimmenden Bisilicat ist noch ein anderes in Form von sehr kleinen, dünnen Blättchen vorhanden, die eine rauchgraue, bald mehr ins Violette, bald mehr ins Bräunliche spielende Farbe besitzen; ihre Umrisse sind zuweilen annähernd hexagonal, gewöhnlich rundlich, in der Regel jedoch vielfach eingebuchtet. Sehr häufig sind sie zu schuppig-blättrigen Aggregaten verwachsen; liegen sie schräg im Schliff, so zeigen sie trotz ihrer Dünne einen deutlich wahrnehmbaren Pleochroismus und eine zarte, die Spaltrisse verrathende Liniirung und bekunden durch diese Eigenschaften ihre Zugehörigkeit zum Glimmer. In geringer Menge ist auch eine farblose Glasbasis zu konstatiren, welche die feinkrystalline Grundmasse wie ein zarter Schleier umhüllt und nur selten in selbstständigen Partien innerhalb derselben auftritt. Die spärlichen Einsprenglinge gehören, was die Feldspathe anbelangt, theilweise dem Sanidin, theilweise natronreichen Plagioklasen an; im Uebrigen erscheinen noch in dieser Form gemeiner bräunlicher Augit, opacitisch umränderte Fragmente von Hornblende und endlich auch Olivin, dessen wohlausgebildete, durch Eisenoxydhydrat goldgelb gefärbte Krystalle, wie erwähnt, schon bei der Betrachtung des Handstücks die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Von Accessorien sind Magneteisen in winzigen Oktaederchen und Apatit in den bekannten gedrungenen Säulchen zu erwähnen, die durch zahlreiche, parallel zur Hauptaxe verlängerte Hohlräume fein gestrichelt erscheinen und deshalb im Querschnitt ein noseanähnliches Aussehen besitzen.

Die Familie der basaltischen Gesteine ist durch feldspathreiche, meist olivinarme Plagioklasbasalte, durch augit- und olivinreiche Limburgite und ferner durch ein Vorkommen von Melilithbasalt repräsentirt, welche mit Ausnahme des letzten sämmtlich vom Westrand des Grossen Grabens und dem unmittelbar sich daran schliessenden Mutyekplateau stammen.

Nahezu olivinfreie Varietäten der ersten Gruppe, der Plagioklasbasalte hat Dr. Baumann am

1. »SW. Rand des Ngorongo - Kessels, 21. März 1892«