Die Makua machten sich von Anfang an nützlich und bewiesen, dass sie in der Kunst des Buschlebens uns doch noch weit über waren. Vor allem verstanden sie es vorzüglich in unglaublicher Schnelligkeit wasserdichte und behagliche Grashütten aufzurichten, was meine Leute ihnen bald ablernten, wodurch unser Lager einen besonderen Charakter erhielt. Auch als geschickte Jäger zeigten sie sich und lieferten häufig grosses und kleines Wild für die Küche.

Vom Nenge-Bach, der nur spärlich Wassertümpel enthält, zogen wir durch fast flache, trostlose Baumsteppen zum Marago Saïd bin Sef, einem Lagerplatz, der nach dem früheren Vorstand der Araber-Kolonie Magu benannt ist, wo einige Lachen uns Erquickung boten. Am 12. Juli durchwanderten wir, von den Makuas geführt, wegelose, offene Steppe und überschritten den Simiyu, der zu dieser Jahreszeit nur grosse Tümpel enthält, in welchen sich Welse und sogar Flusspferde finden, die zur Regenzeit vom Nyansa aus hierher gelangen.

Feldbeil, Usukuma.

Durch flache Steppe gelangten wir zu den nahe aneinander gelegenen Dorfgebieten von Dudumo und Sagayu, kleinen, an die Steppe grenzenden Ortschaften, welche von Flüchtlingen aus Uduhe, Usmau und Ntussu bewohnt sind, die schöne Kulturen und ansehnliche Hütten besitzen. In einer der letzteren fand ich zu meinem Erstaunen ein französisches Erbauungsbuch und eine Kiganda-Bibel und erfuhr später, dass dieselben von dem Ueberfall einer Missions-Karawane in Sengerema herstammten. Gegenwärtig sollen die Bücher als Kopfputz bei Tänzen dienen, eine Verwendung, die ihre frommen Verfasser wohl kaum voraussahen.

Am 15. Juli passirten wir abermals den hier völlig trockenen Simiyu-Fluss und gelangten in die Landschaft Nyasambe, wo Wasukuma aus Mwagala wohnen, die besonders viel Baumwolle bauen. Sie spinnen daraus ungemein schöne feste Doppelgewebe, eine Kunst, die in Usukuma weit verbreitet ist. Am 16. Juli überschritten wir mit dem trockenen Ididi-Bache die Grenze von Usmau. Eine weite, sanft gewellte Ebene dehnte sich vor uns aus, überall sah man Felder von ungeheurer Ausdehnung, dazwischen die ansehnlichen von Euphorbien umgebenen Dorfkomplexe. Angebaut wird hauptsächlich Sorghum, weniger Mawele (Penicillaria), vereinzelt auch Reis. Die Eingeborenen sind grosse Reisende, fast alle jungen Leute sind an der Küste gewesen und neben fast nackten Burschen mit elendem Ziegenfell sieht man Gestalten mit Flanellbeinkleidern, schwarzem Salonrock und mächtigem grauen Schlapphut. Sie erzählten mir allerlei Neuigkeiten, darunter auch die von meinem eigenen Tode. Der Europäer, meinten sie nämlich, der früher in Katoto sass, sei von den Wagaya todtgeschlagen worden. Andere behaupteten, er wäre vielleicht doch nicht ganz todt, habe jedoch eine Speerwunde erhalten. Ich lachte damals über dieses Negergeschwätz, konnte ich doch nicht ahnen, dass sich ein schlauer Europäer (der Stationsvorsteher von Mwansa) finden würde, der nichts eiligeres zu thun hatte, als diesen Unsinn nach der Küste zu melden, von wo er nach Europa gelangte und dort unnütze Besorgnisse hervorrief.

Am 19. Juli hatten wir Usmau hinter uns und betraten Usukuma im engeren Sinne, wie die Landschaften am Nyansa genannt werden. Am nächsten Tage stiegen wir den steilen Abfall zum See ab und erreichten gegen Mittag die Station Mwansa. Wieder breitete sich der herrliche See vor uns aus und drüben, jenseits der Bai, tauchten die grünen Ufer Usinja's verheissungsvoll aus der tiefblauen Fluth.

Weiber der Karawane.

[[←]] IV. KAPITEL.
Vom Victoria-See zum Tanganyika.