Am 6. September verliessen wir den von leichten Morgennebeln überlagerten Nil und traten in welliges Grasland ein, dessen zahlreiche kleine Thäler von Papyrus erfüllt und von felsigen Thalstufen unterbrochen sind, über welche das klare Wasser der Bäche rieselt. Fast kein Baum oder Strauch ist auf den theilweise verbrannten Grasfeldern sichtbar und die Dörfer mit ihren Bananenhainen und den glänzendblättrigen Ficusbäumen, die Rindenstoff, theilweise auch Brennholz liefern, heben sich gleich dunkelgrünen Inseln von den gelbbraunen Flächen ab. Dieses Alpenland, welches unter gewöhnlichen Umständen wohl recht ruhig dalag, glich nun einem gestörten Ameisenhaufen. Von allen Seiten eilten dunkle Gestalten auf den schmalen Pfaden der Hänge oder querfeldein auf uns zu, während von den entfernten Dörfern Hornstösse ertönten, unser Kommen anzeigend.

Vor den Hüttenkomplexen standen die alten Leute, knieten bei unserem Herannahen nieder, klatschten und reichten mir Grasbündel unter allerlei schönen Redensarten, die ich noch unzählige Male hören sollte. In langen Reihen, mit Stäben und ausgebreiteten Armen kamen die Krieger laufend herbei, traten längs unseres Pfades an und führten ihren Tanz auf, worauf sie uns mit jubelndem Geschrei vorliefen und von neuem zu tanzen begannen.

Etwas im Hintergrunde hielten sich die Weiber mit ihren grauen Lendenschürzen und den Ueberwürfen, die bei Verheiratheten den Busen decken, während die wohlgeformten Brüste der jungen Mädchen frei bleiben. Singend begleiteten sie die Karawane, in den offenen Armen Laubzweige tragend.

Einige Leute hatten sich als eine Art Festordner aufgeworfen und hieben tüchtig in die andrängende Masse ein. Denn alle diese Menschen blieben keineswegs bei ihren Dörfern zurück, sondern zogen lachend und jubelnd hinter uns her. Von einer Anhöhe zurückblickend, sah ich bald tausende von braunen, wildbewegten, in der Sonnengluth glänzenden Leibern mit geschwungenen Stäben und Laubzweigen einer Bacchanten-Schaar gleichend.

Warundi-Weiber.

Den ungeheuren Lärm übertönten Rufe wie »Mwesi!« »Mkasi ya Urundi!« (Beherrscher Urundi's) »Viheko visima« (Grosser König) und »Tuli Wahutu« (Wir sind Sklaven), die mein Dolmetscher mir übersetzte und die mich schliessen liessen, dass die Begeisterung der Warundi einen besonderen Grund haben müsse. Bei der allgemeinen Raserei war es nicht so leicht, diesen zu erfahren und erst nach einigen Tagen brachten meine Leute das richtige heraus.

TAFEL IX

Uebergang über den Kagera.