Wataturu Sagiro's.
So schwelgten denn die Leute in reichlichen Vorräthen und bei mir erschienen täglich nicht weniger als achtmal kleine Karawanen zierlich gekleideter Sklaven, die auf schönen Metalluntersätzen verdeckte Schüsseln brachten. Da gab es Reis und Würfelfleisch in Gewürzsauce, süsses Gebäck von einheimischem Weizenmehl, Datteln und parfümirten Sherbet — all' die Leckerbissen einer echt arabischen Mahlzeit.
In den Morgenstunden kamen in farbenprächtigem Aufzuge die vornehmsten Araber und Swahíli zur »Barasa«. In dem lichten Vorraum eines Tembe brachten wir, auf bunte Strohmatten gekauert, eine Viertelstunde mit jenen nichtssagenden, konventionellen Gesprächen zu, die bei solchen Gelegenheiten im Orient üblich sind.
Ausser Elephantenjägern und Karawanenleuten gab es in Irangi auch viele Massai, die vor der Hungersnoth geflüchtet waren und für kleine Dienstleistungen gefüttert wurden. Unter diesen fand unser braver Elmoruo Ndaikai seine längst vermissten Kinder. Mit zitternder Hand betastete er die Verlorengeglaubten, heisse Thränen liefen über sein wetterhartes Gesicht und kaum konnte man den blutgierigen Krieger wiedererkennen, den ich gar oft in Gefechten die Gegner mit breitklingigem Speer zerfleischen sah. Seines Bleibens bei uns war nun nicht mehr länger, reich beschenkt mit Rindern nahm er Abschied und zog mit seinen Kindern in die Steppe hinaus.
Am 4. Januar rüsteten auch wir zum Aufbruch von Irangi, wobei die Araber es sich nicht nehmen liessen, mir 40 Bewaffnete mitzugeben, eine Hilfstruppe, die mich ein wenig an jene drei Schutzmänner erinnerte, welche einmal in bewegter Zeit einem marschirenden Infanterieregiment »als Bedeckung« beigegeben wurden. Vor meiner Abreise schickte ich vier meiner Leute als Postboten nach Pangani, theils um Nachrichten an die Küste gelangen zu lassen, theils um die gänzliche Ungefährlichkeit der »Massairoute« einmal durch ein auffallendes Beispiel darzulegen. Es sei gleich erwähnt, dass diese Leute Pangani in der unglaublich kurzen Zeit von 13 Marschtagen erreichten, ohne von Eingeborenen irgendwie belästigt worden zu sein.
Wir selbst wandten uns Umbugwe zu. Die Araber und ihre Leute erreichen dieses Land meist auf allerlei Umwegen, bei welchen sie die Landschaft Uassi umgehen, deren Bewohner als boshaft und kriegerisch gefürchtet sind. Ich sah jedoch keinen Grund, von der direkten Route über Uassi abzuweichen. Durch ein sandiges Thal ging es von Kondoa nach Simba's Niederlassung. Beiderseits erhoben sich kahle Hügelzüge, die Thalsohle war mit Stachelgestrüpp bedeckt und nur am Rande der Höhen ragten einzelne Baobabs und riesige, schattige Waldbäume auf.
Am Morgen des 5. Januar ging es steil hinan zur Höhe des Uassi-Plateaus. Kalte Winde trieben Nebelstreifen über das wellige Land, dessen sandigem Boden die Wauassi einen kärglichen Ertrag abringen. Diese standen abseits bei ihren niedrigen, kleine Höfe einschliessenden Temben, begrüssten uns mit Kriegsgeschrei und riefen uns zu, wir möchten unsere Rinder hergeben. Wir kümmerten uns nicht darum, sondern zogen mit grösster Vorsicht durch das theilweise mit Gestrüpp bedeckte Land, stets verfolgt von den lärmenden Wauassi-Kriegern. Als wir wieder offenes Tembegebiet betraten, begannen dieselben Pfeile auf uns zu schiessen. Um sie zu verjagen, liess ich durch eine kleine Abtheilung eine Salve abgeben, worauf die meisten spornstreichs davonliefen und einige vor Schreck — in Ohnmacht fielen. Gänzlich unverwundet wurden sie von uns aufgelesen und haben uns als Wegweiser gute Dienste geleistet.
Auf dringende Bitten der Leute aus Irangi lagerte ich schon in den Morgenstunden und liess zahlreiche Temben der Wauassi einäschern, um diese für ihre fortwährenden Räubereien zu bestrafen. Nachmittags zeigte sich eine bewaffnete Schaar derselben auf einem Hügel und stiess ihr Kriegsgeschrei aus. Um den Irangi-Leuten zu zeigen von was für »Helden« sie sich gewöhnlich ins Bockshorn jagen liessen, sandte ich meinen boy Hamadi und zwei Küchenjungen aus, die von einem Tembedach ein kräftiges Feuer auf die Kriegerschaar — es waren mindestens 200 Mann — eröffneten und sie in wilde Flucht auflösten. Der ganze Vorgang hatte den Erfolg, dass es den Arabern gelang mit den Uassi-Leuten ein Abkommen zu treffen und dass von nun an nie mehr Karawanen in Uassi belästigt wurden. Es war dies das letzte Mal, dass die Expedition von den Waffen Gebrauch machen musste.