Während in der trockenen Zeit die Massai-Steppe durch Wassermangel vielfach ganz unpassirbar ist, sammelt sich in der Regenzeit das Wasser in den flachen Mulden und verwandelt diese in Sümpfe. Solche Senkungen sind meist vollkommen offen, grasig, in der trockenen Zeit oft fast vegetationslos und von tiefen Rissen im schwarzen Boden durchfurcht, während höher gelegene Striche mit Steppenvegetation, Dorngestrüpp und Schirmakazien bedeckt sind, aus welchen vereinzelt Baobabs aufragen. Eine reichere Vegetation, darunter stellenweise sogar Laubwald, tritt am Fusse und an den Hängen der Bergkuppen auf.
Von Menschen fast ganz verlassen, ist die Massai-Steppe der Tummelplatz grosser Wildmengen. Die Büffel zwar und die anderen wilden Rinderarten haben durch die Viehseuche 1891 schwer gelitten und sind fast ganz verschwunden. Aber Zebras und Antilopen, Giraffen und Strausse treiben sich noch in Heerden umher und besonders massenhaft tritt das Nashorn auf, meist in Gruppen von 2 bis 3 die Wildniss durchstreifend. Selbst Elephanten kommen noch vor und auch Löwen und Leoparden sind ziemlich häufig. Raubvögel folgen in Schwärmen jeder Karawane.
Die Regenzeit scheint in der Massai-Steppe früher als an der Küste, gewöhnlich Mitte Februar einzusetzen. Sie wird durch heftige Ostwinde eröffnet, die überhaupt das ganze Jahr hindurch vorherrschen. Die Temperaturschwankungen sind sehr bedeutend, an glühenden Sonnenbrand unter Tage schliessen sich eisig kalte Nächte. In der Trockenzeit eine wasserlose Wüste, in der Regenzeit ein Sumpf, stets eine pfadlose, schwer zugängliche Wildniss, bildet die Massai-Steppe kein sehr vielversprechendes Gebiet.
Der grosse ostafrikanische Graben ist besonders scharf durch seinen Westrand, den Steilabfall des Massai-Plateaus, charakterisirt. Derselbe wurde im Norden von Dr. Fischer bis zur Breite des Natron-Sees erforscht, im Süden vermuthete man seine Fortsetzung in den Muhalala-Bergen in Ugogo, doch das Zwischenglied war noch unbekannt. Am Natron-See ist der Graben einerseits durch das Massai-Gebirge, den sogenannten Mau-Abfall, dem der thätige Vulkan des Donyo ngai entsteigt, andererseits durch den Tafelberg des Geleï bezeichnet.
Südwärts schreitend, gelangt man in die schon von Dr. Fischer erkundete flache Senkung, die sich zwischen dem Natron-See und dem Manyara-See ausdehnt. Sie hat fast dieselbe Höhe wie der Manyara-See und weist Spuren von Kalksinter und Gerölle auf, welche auf eine frühere grössere Ausdehnung des Manyara und möglichen Zusammenhang mit dem Natron-See hinweisen. Im Osten erhebt sich die wahrscheinlich krystallinische Masse des Simangori-Berges. Im Westen ragt der hier fast 700 m hohe, ungemein schroffe Abfall des Plateaus auf. Dieses ist von unregelmässigen Höhenzügen bedeckt, zwischen welchen verschiedene Gewässer dem Manyara-See zufliessen. An dieser Stelle ist also die von Suess angenommene Aufwulstung der Grabenränder nicht wahrzunehmen, während sie weiter südlich, wo der Mto ya Matete unweit des Plateaurandes entspringt und westlich abfliessen soll, möglicherweise auftritt. Am Abfall sowohl wie am Plateau stehen ausschliesslich junge Eruptivgesteine, vorherrschend Basalte an, die auf den Höhen vielfach mit rother Lateritmasse überlagert sind. Als Eruptionscentrum kann hier der oblonge Kessel am Ngorongoro betrachtet werden, der, von steilen Tuffwänden eingesäumt, eine flache Sohle besitzt, deren westlicher Theil von dem kleinen Ngorongoro-See eingenommen wird, dem mehrere Bäche zuströmen. Am Ufer des Sees stehen jüngere Kalke an.
Weiter südlich senken sich die Berge des Abfalls bedeutend ab, sind am Nordende des Manyara-Sees ca. 200 m hoch und steigen dann wieder zum Plateau von Iraku an. Der Manyara-See (1000 m) erfüllt ein seichtes Becken und besitzt nach der Jahreszeit wechselnden Wasserstand, trocknet jedoch niemals gänzlich aus. Er nimmt im Norden und Westen mehrere wasserreiche Bäche, im Süden den ansehnlichen Kwou-Fluss auf. An seinem Westufer entspringen mehrere heisse Quellen (Temp. ca. 80° C.). Der Manyara ist ein Salzsee, sein Wasser ist nicht trinkbar und dicke Salzschichten bedecken das Ufer.
TAFEL XVI
Iraku-Plateau
Ebene von Umbugwe