Kilimanjaro

Manyara-See

Laua ya Sereri-See

Ausblick von Meri (Iraku) gegen Nord.

Wie aus der chemischen Untersuchung[4] ersichtlich, sind die Salze des Manyara vor Allem durch ihren Soda-Gehalt ausgezeichnet, während Salpetersäure und Magnesia-Salze ihnen gänzlich fehlen. Durch den letzteren Mangel unterscheidet das Wasser des Manyara sich wesentlich von dem des todten und kaspischen Meeres, sowie vom Seewasser, wie denn überhaupt die Seen des ostafrikanischen Grabens nicht, wie der Tanganyika und Nyassa als Relictenseen, sondern als Ueberreste eines früheren Flusssystems zu betrachten sind. Darauf deutet auch die niedere Fauna des Manyara, welche trotz seines Salzgehaltes reine Süsswasserformen aufweist und besonders auf die Nilfauna hinweist. Aus ähnlichen Vorkommnissen im Rudolf-See schloss Suess, dass die Entstehung des Grabens in einer Zeit erfolgt sein müsse, wo die gegenwärtige Nilfauna bereits bestand oder doch einen der jetzigen sehr ähnlichen Charakter hatte. Was die Schnecken des Manyara anbelangt, so gehören dieselben allzu weit verbreiteten Arten an, um einen solchen Schluss direkt zu gestatten, auch scheint eine Verschleppung von Schneckeneiern durch Vögel leicht möglich. Doch wird die Suess'sche Annahme durch das massenhafte Auftreten junger Eruptivgesteine im Grabengebiet, deren Entstehung ihrem Charakter nach bis in die geologische Gegenwart fällt, bekräftigt.

Am Manyara-See besteht der Abfall nicht mehr aus Basalten, sondern der liegende Gneiss mit meist nordöstlichem Streichen und verschiedenen oft sehr steilen Fallrichtungen tritt hier und am Plateau von Iraku zu Tage.

Die südliche Fortsetzung des Manyara-See bildet der flache Boden von Umbugwe, ein Alluvialgebiet, in dem einzelne krystallinische Hügel aufragen und das von dem theilweise versumpften Kwoufluss und seinen Nebenbächen durchzogen wird. Es ist zweifellos alter Seeboden und der Laua ya Sereri, östlich von Kutadu's Land, ein Salzsee, der in dürren Jahren manchmal eintrocknet, stand früher mit dem Manyara in Verbindung. Der Boden Umbugwe's ist salzig und das Wasser der Lachen, die sich nach starkem Regen in grosser Ausdehnung bilden, ist nicht trinkbar. Westlich von Umbugwe erhebt sich der Steilabfall bis zur Höhe von 1900 m und ist gekrönt vom Plateau von Iraku, das durchschnitten von zahlreichen Bächen des Kwousystems weit tiefere Thäler, überhaupt weit gebirgigeres Terrain besitzt als Mutyek. Ueberall steht, wie schon erwähnt, Gneiss und krystallinischer Schiefer an, in einzelnen Kuppen in romantischen Felsbildungen aufragend. Weiter westlich scheint das Land stark abzuflachen und nimmt immer mehr Steppencharakter an.

Südlich von Umbugwe steigt die Sohle des Grabens sanft um etwa 100 m und das Auftreten von Basalt und Tuff zeigt eruptive Durchbrüche an. Auf der Höhe der derart erreichten Stufe liegt die Landschaft Ufiomi mit dem kleinen Maitsimba-See (1440 m), dem einzigen in der langen Reihe der Grabenseen, der Süsswasser enthält. Er verdankt dies dem Vorhandensein eines Abflusses, der allerdings nur nach starkem Regen oberirdisch Wasser führt, stets jedoch an unterirdischem Sickerwasser reich ist, das in den Kwou mündet. Oestlich vom Maitsimba erhebt sich der vulkanische Ufiomiberg bis ca. 2500 m; er ist der nördliche Ausläufer des Plateau von Uassi, welches hier den sehr scharfen Ostrand des Grabens bildet. Es steigt bis zu 1700 m an, besitzt sowohl gegen den Graben als gegen die Massaisteppe sehr schroffe Abfälle, hat leicht gewelltes Terrain, meist periodische Wasserläufe und besteht aus Gneiss und krystallinischen Schiefern mit vorherrschend meridionaler Streichungsrichtung und steilem Fall gegen Westen.

Im Westen des Maitsimba-See sind mehrere Höhenzüge dem Steilabfalle vorgelagert, der sich schroff und felsig zum Plateau von Meri bis über 2000 m hoch erhebt. Ihm entströmen die Nebenbäche des Bubu, der erst mit papyrusreichem Ufer östlich von der Landschaft Mangati verläuft, als breites, sandiges Bett bei Irangi vorbeifliesst und schliesslich in Ugogo in altem Seeboden verläuft. Bei Mangati macht der Steilabfall, der auch hier aus krystallinischen Schiefern in sehr stark gestörten Schichtenlagen besteht, plötzlich einen Bogen nach Westen, um nach einigen Kilometern als bedeutend niedrigere Stufe nach Südwest zu streichen. Aus der dadurch gebildeten Bucht erhebt sich vollkommen isolirt der vulkanische Kegel des Gurui[5] bis zu 3200 m, der 1885 von Dr. Fischer in Irangi zuerst gesehen worden war. Sein Obertheil besteht fast ganz aus steilen, schwarzen Basaltwänden, die Hänge sind theils grasig, theils bewaldet. Zwischen Gurui und dem schroffen Abfall dehnt sich die leicht gewellte Landschaft Mangati aus, in deren Westecke der kleine Salzsee Balangda (1600 m) liegt. Derselbe trocknet in dürren Jahren oft fast ganz ein, dann bilden sich starke Salzablagerungen an den Ufern, die von den Eingeborenen gewonnen und als Kochsalz benutzt werden, als welches sie vorzügliche Eigenschaften besitzen.[6]

Südlich vom Gurui senkt sich die Sohle des Grabens wieder bis zu 1360 m, welche Höhe sie in der Landschaft Uyanganyi erreicht. Den Westrand bildet hier der Abfall des Plateaus von Turu, welches bis zu 1820 m ansteigt und einen sehr deutlich ausgeprägten Randwall gegen den Graben zu besitzt. Sowohl an der Sohle des Grabens wie am Plateau von Turu steht Granit an, welches Gestein hier aus Unyamwesi in das Grabengebiet übergreift.