Das Plateau von Turu besitzt sandigen, salzhaltigen Boden, nähert sich mit den zahlreich verstreuten Granitkuppen dem Landschaftscharakter Unyamwesi's und ist von trockenen Wasserrissen durchzogen, deren einige in den kleinen Singisa-Salzsee münden, der ebenfalls von den Eingeborenen ausgebeutet wird.[6] An seinen Ufern streift eine recente Kalkscholle an.

Weiter nördlich entdeckte Lieutenant Werther einen anderen kleinen Salzsee, von welchem ich auch durch Eingeborene erfuhr. Derselbe liegt in einem ähnlichen Kessel wie der See von Ngorongoro, also wahrscheinlich in vulkanischem Gebiet.

Südlich von Unyanganyi ist die Grabensohle durch den Verlauf trockner Bäche bezeichnet, während der Abfall niedriger, aber stets deutlich ausgeprägt verläuft und in die Stufe von Muhalala-Ugogo übergeht. Oestlich vom Graben steigt allmählich das Plateau von Ussandaui, mit aufgesetzten höheren Kuppen wie den Tuyui an, welches durchweg aus Granit besteht und erst an seinem Ostrand gegen den Bubu zu, durch höhere krystallinische Gebirge mit vorherrschend meridionalen Streichungsrichtungen eingesäumt wird. Dasselbe Gestein tritt auch in den niedrigen Bergen von Irangi auf, die bereits dem System der Massai-Steppe angehören.

Ohne direkten Zusammenhang mit dem grossen Graben, aber doch nur als Seitenbruch desselben, verläuft der Wembere-Graben in vorherrschend nordöstlicher Richtung. Er bildet, wie erwähnt, eine Sackgasse und ist in seinem nördlichen Theil vom Eyassi-Salzsee (1050 m) eingenommen, der einen dem Manyara ähnlichen Charakter, aber sandigere und völlig vegetationslose Ufer besitzt. Er enthält ebenfalls scharfes untrinkbares Wasser,[7] muss aber dennoch gleich dem Manyara ein Thierleben beherbergen, da zahlreiche Wasservögel seine Fläche beleben. In trockenen Jahren mag der jedenfalls seichte Eyassi einschrumpfen, trocknet jedoch niemals völlig oder auch nur erheblich aus und überschwemmt zur Regenzeit weite Gebiete.

Im Norden des Sees erhebt sich das Plateau von Sirwa bis über 2000 m. Es besitzt ähnlichen Charakter wie Mutyek und hat hohe vulkanische Berge aufgesetzt, die 3000 m jedenfalls übersteigen. Nur am Fusse des Abfalles tritt das liegende Gestein als Gneiss auf, darüber lagern verwitterte Tuffe, Basalte und andere Eruptivgesteine. Von der Plateauhöhe strömen dem Eyassi-See mehrere wasserreiche, von Phönixpalmen begleitete Bäche zu. Die Berge seines Westufers sind im Norden anfangs noch hoch und stürzen in steilen Hängen ab, am Ostufer streichen parallele, immer höher ansteigende Bergketten. Weiter südlich sind die Grabenränder weniger hoch und erheben sich bei Mbusi am Westrand kaum 100 m über der Sohle, während der Ostrand bei Issansu etwas höher sein dürfte. Hier tritt überall Granit auf, der in der Sohle des Grabens von grauen Lehmmassen überdeckt ist. Diese Nyarasa-Steppe bildet die südliche Fortsetzung des Eyassibodens und ist stellenweise von dicken Salzefflorescencen bedeckt, welche ein vorzügliches Kochsalz[7] liefern.

Ueber die Ebene weht fast fortwährend ein heftiger staubgeschwängerter Nordostwind, welcher an Löss erinnernde Lehmterassen anhäuft. In diesen finden sich Sumpfschnecken, die oft ganz calcinirt aussehen und doch das lebende Thier enthalten, das offenbar in der feuchten Jahreszeit erwacht. Während dieser ist die Nyarasa-Steppe grösstentheils überschwemmt. Sie wird von dem ca. 30 m breiten, brackigen Simbitifluss durchzogen, der zwischen Lehmmauern dem Eyassi zuströmt. Er bildet den Unterlauf des Wembere und der zahlreichen meist periodischen Wasserläufe des östlichen Unyamwesi. Bei besonders starken Winden macht sich eine Gegenströmung aus dem Eyassi im Simbiti bemerkbar und sein Wasser ist dann völlig ungeniessbar. Noch ein anderer ansehnlicher Fluss, den die Elephantenjäger Mto ya matete (Fluss der Phönixpalmen) nennen, soll von Osten her in den Eyassi münden.

Weiter südlich in der Breite von Iramba wird die Grabensohle schmäler und erhält den Namen Wembere-Steppe, welcher auf grössere Gebiete übertragen wurde, während er thatsächlich nur diesem schmalen Streifen zukommt. In Unyamwesi, in der Breite von Ussure ist die Sohle des Grabens 1120 m hoch, während die Randberge völlig unbedeutend, aber stets deutlich wahrnehmbar verlaufen. Sie sind vielfach von Granitzinnen gekrönt (siehe Abb. pag. 109), während die Sohle selbst stets mit Alluvialmassen bedeckt, zur Trockenzeit eine Wüste, zur Regenzeit ein Morast ist. Bei Ussure und in Iramba erheben sich niedrige Hügelzüge, die allmählich in das Plateau von Turu übergehen. Gegen Süden zu lässt sich der Graben bis in die Gegend von Turu verfolgen.

Bezüglich des Landschafts-Charakters sind die Niederungen und Plateaus in den Grabengebieten sehr verschieden. Die Grabensohle trägt im grossen Ganzen den Typus der Steppenvegetation, Akazien, Baobabs herrschen vor, bei Umbugwe treten einzelne Borassuspalmen auf. Wo jedoch die Nähe der Gebirge reichlichere Niederschläge erzeugt und besonders an fliessenden Gewässern grünt üppige Gras- und Krautvegetation und der Ackerbau findet vorzügliche Bedingungen.

Von den Plateaus sind die südlichen, Turu, Ussandaui und das südliche Uassi trocken, sandig und von geringer Fruchtbarkeit; schon im nördlichen Uassi und am Ufiomiberg macht sich reicherer Waldwuchs geltend und die wasserreichen, kühlen Hochplateaus von Iraku und Mutyek gehören zweifellos zu den besten Gebieten Ost-Afrika's. Dieselben sind hauptsächlich von schönem Weideland mit kleinen eingestreuten Laubbäumchen bedeckt, dessen ziegelrother fetter Boden, wie man in Iraku sehen kann, für Ackerbau sehr geeignet ist. Die hohen Parthien bedeckt tropischer Hochwald mit überwuchernder Krautvegetation und Unterholz. Während in den Niederungen die Temperaturunterschiede sehr scharf an einander grenzen, herrscht auf diesen Höhen stets eine angenehme, kühle Luft, selbst Mittags ist die Sonnenwärme nur behaglich und Morgens tritt oft recht empfindliche Kälte ein. Die Unterschiede der Jahreszeiten machen sich auf den Plateaus weniger geltend, indem auch in der trockenen Zeit Niederschläge häufig sind. In der Grabensohle bemerkte ich gegen Abend ziemlich regelmässige Nordwinde, die über die Salzseen hinwegstreichend fast an Seebrisen erinnern, aber nicht gesund und malariahaltig sind, wie denn überhaupt die Niederungen ziemlich fieberreich genannt werden müssen.

Durch die vielen besiedelten Distrikte ist das Thierleben zurückgedrängt, aber immer noch grossartig genug. Die nördlichen Wembere-Gebiete, das Mutyek-Plateau und vor allem Ngorongoro beherbergen ungeheure Wildmassen, unter welchen das Rhinozeros in erstaunlicher Menge auffällt. Dieser Dickhäuter, der das Glück hat, keine kostbaren Zähne zu besitzen, kann sich ungestört vermehren, während gegen die Elephanten ein wahrer Vernichtungskrieg geführt wird, der ihn auch in vielen Gegenden, wie am Gurui, ausgerottet hat. Löwen und Leoparden sind häufig und richten in den Heerden der Eingeborenen Schaden an. Das Flusspferd kommt in allen Gewässern des Grabens und im Eyassi-See, sowie auch im Ngorongoro-See vor, Krokodile jedoch nirgends. Von den Muscheln und Schnecken ist im Anhang ausführlich die Rede. Sie dienen grossen Schwärmen von Wasservögeln, Flamingos, Enten und Marabus als Nahrung. In den Bächen, selbst in Tümpel periodisch fliessender Gewässer leben grosse Welse.