Im Wembere-Graben besitzt, wie gesagt, der Charakter nackter, trockener Salzwüste die Oberhand. Auch die umrahmenden Höhen sind wenig einladend. Nur im Norden und Osten des Eyassi-Sees dehnen sich fruchtbare Plateaus aus, welche an Mutyek und Iraku erinnern. Die bewohnten Landschaften Issansu, Iramba und Eyambi besitzen einen an Turu erinnernden ärmlichen Boden, sonst ist Alles Wildniss, von wasserarmen, in der Trockenzeit gänzlich versiegenden sandigen Rissen durchzogene, wellige Baumsteppe, die der Kultur wenig Aussicht eröffnet und erst weitab vom Graben in Meatu einerseits und in Hindamara andererseits besseren, wasserreichen Landstrichen Platz macht.

Schon bei Besprechung der westlichen Grabengebiete ist mehrfach von Granit die Rede gewesen. Dieses Gestein gelangt weiter landeinwärts im Granitplateau von Unyamwesi zur fast völligen Alleinherrschaft. Dieses weite Gebiet, welches das Süd- und Ostufer des Victoria-Nyansa umfasst, im Süden über Tabora hinaus und im Westen bis Uha reicht, zeichnet sich durch sehr grosse Einförmigkeit aus. Das Terrain ist flach oder leicht gewellt, Gebirge sind selten und werden durch wilde Anhäufungen von Granitblöcken ersetzt, die in mehr oder weniger grossen Abständen verstreut sind.

Die Gewässer dieses Gebietes, die einerseits dem Simbiti-Eyassi, andererseits dem Victoria-Nyansa und dem Tanganyika zuströmen, zeichnen sich durch Wasserarmuth aus. Die Wembere-Zuflüsse sind fast alle periodisch und liegen den grössten Theil des Jahres trocken. Auch der in den Mlagarassi mündende Igombe, der fliessendes Wasser geführt haben soll, besitzt solches nun schon seit Jahren nicht mehr und besteht nur aus einer Reihe tiefer Tümpel, die nur zur Regenzeit unter einander in Verbindung stehen. Nicht viel wasserreicher sind die Zuflüsse des Victoria-Nyansa. Der Simiyu-Fluss, der im Massai-Land entspringt und bei seiner Mündung ein breites, schiffbares Aestuarium besitzt, liegt fast das ganze Jahr trocken. Zur Regenzeit schwillt er allerdings zeitweise ungeheuer an, doch für gewöhnlich enthält er nur Tümpel. Wasserreicher ist der Rubana, der in Nata entspringt, den Grumetri aufnimmt und sich als ständig fliessendes Gewässer in einem Aestuarium des Speke-Golfes ergiesst. Auch er besitzt jedoch sehr wechselnden Wasserstand. Noch mehr ist dies bei den nördlich verlaufenden Flüssen, dem Suguti und Mara, der Fall, die jedoch ebenfalls nicht ganz auszutrocknen scheinen. Der Mara ist der Unterlauf des Ngare dabasch (Ngare = Wasser, dabasch = breit, aber seicht), der zahlreiche Abflüsse des Massai-Plateaus aufnimmt. Fischer sah im Januar 1886 »wenig lehmfarbiges Wasser in tiefem, breitem Bett«, bei meiner Anwesenheit in Ngoroïne im Mai 1892 überschwemmte der Mara seine Ufer und war schwer passirbar.

Alle anderen Gewässer Unyamwesi's, sowohl jene, die dem südlichen Victoria-Nyansa, als jene, die dem Wembere-Gebiet zufliessen, sind sämmtlich Regenschluchten, mit oft breitem, sandigem Bett, in welchem man durch Graben Wasser erhält, in dem sich jedoch nur selten ein Rinnsal findet.

Von eigentlichen Gebirgen kann nur östlich vom Victoria-See die Rede sein, wo die Berge Baridi, Ikiju, Kiruwiru und Majita, sowie die von Uhemba, Uaschi und Ngoroïne sich als vereinzelte, fast tafelförmige Massive aus den Ebenen erheben. Die letzteren bilden den grössten Theil des Landes. Im westlichen Massailand sind sie völlig flach, von niedrigen Senkungen durchzogen, in deren einer der kleine Salzsee Lgarria liegt, und unterbrochen von zerstreuten Granithügeln, wie dem Kiruwassile und Duvai.

In ganz Usukuma und Unyamwesi, sowie in Usinja und den südlichen Nachbargebieten ist das Land wellig, mit den oben erwähnten steilen Granitkuppen, die der Landschaft ein eigenartiges Gepräge geben.

Der geologische Bau des Granitplateaus ist, wie erwähnt, ein ungemein gleichartiger. Fast überall herrscht eine mächtige Granitüberlagerung vor und krystallinisches Gestein tritt nur selten zu Tage, noch vereinzelter junge Sedimentgesteine.

Vom Grabengebiet kommend, fand ich in Serengeti Arkosen als Verwitterungsprodukte des Granits anstehend. Der Duvai-Hügel besteht aus weissem Quarzit, am Kiruwassile-Hügel steht ausser Granit auch röthlicher Quarzit an. Solcher findet sich auch am Mbelegeti in Usenye, sowie nördlich bei Mosonge und in Nata am Rubana-Fluss, wo ein meridionales Streichen mit Fall gegen Ost unter ca. 10° erkennbar ist. An den Bächen Elmaraus, sowie am Nyansa, am Kiruwiru, bei den Irambabergen und am Majita treten Grauwacken und Hornblende-Schiefer, ebenfalls in meridionalem Streichen, und sehr steiler Fallrichtung gegen Osten, oft in senkrechten Schichten auf. Zwischen Kiruwassile und Elmarau ist ein kleiner Durchbruch von älterem Eruptivgestein zu bemerken. Ein solcher findet sich auch in Irangala am Emin Pascha-Golf. In den Schaschibergen und in Ngoroïne steht an den Bächen vielfach Amphibolit an, während die Höhen von Granitblöcken gebildet werden. Von Kalken fand ich nur eine Spur in Elmarau, sowie kleine Schollen im Serengeti und Ntussu. In ganz Usukuma, Usinja und Unyamwesi, von Ussandaui bis Uha fand ich ausschliesslich Granit anstehen.

Einförmig wie der geologische Aufbau ist auch der Landschaftscharakter des Landes. Zwischen den besiedelten und oft sehr intensiv bebauten Gebieten dehnen sich unbewohnte Striche aus, die nur in dem östlichen Nyansagebiet den Charakter offener Savannen haben, sonst überall mit Steppenwald bedeckt sind. Im Osten ist der Massai-Charakter mit Dorngestrüpp, Akazien und einzelnen Baobabs, mit wilden Phönixpalmen an den Wasserbetten vorherrschend, im Westen bedeckt Miombowald (meist Caesalpiniaceen) in seinen lichten Beständen weite Gebiete. Die centralen Theile, vor Allem die südlichen Nyansagebiete, zeigen eine Mischung der beiden Vegetationsformen. Klimatisch folgt das Granitplateau im Allgemeinen den Küstenjahreszeiten, ist jedoch wahrscheinlich trockener als diese. Nach der Erfahrung alter Leute nimmt die Trockenheit alljährlich zu und manche Bäche, die noch vor Jahren Wasser führten, liegen jetzt als sandige Betten. In der trockenen Zeit ist Unyamwesi nicht viel leichter zu bereisen als die Massai-Steppe; die Brunnen liefern schlechtes, spärliches Wasser, und in den weiten Wildnissen, die sich zwischen den Dörfern ausdehnen, muss man oft ohne Wasser lagern. Dennoch ist der Boden ein fruchtbarer und die Niederschläge genügen für reichen Anbau, wie die schönen Kulturen der Eingeborenen beweisen.

Im Norden des Granit-Plateaus ist das ungeheure Becken des Victoria-Nyansa eingelagert. Dessen im Süden und Osten ziemlich stark gegliederte Küsten fallen theils in 4-5 m hohen Steilwänden ab, theils sind sie flach und mit dichtem Papyrusgürtel gesäumt, in welchem der wasserliebende, korkartige Ambatsch-Baum verstreut ist. Aehnlichen Charakter weist der in zahlreiche Arme gegliederte Emin Pascha-Golf auf. Die Bukumbi-Bai oder der Smith-Sund hat fast durchweg felsige Küsten. Solche ziehen sich auch am Südufer des Speke-Golfes dahin, dessen Ostende bei Katoto flach und papyrusreich ist. Die Nordküste des Spekegolfes ist gebirgig und steil, sie ist durch den schmalen, durchwatbaren Rugedsi-Kanal von der fruchtbaren, langgestreckten Granitinsel Ukerewe getrennt, welcher wieder das fast kreisrunde Eiland Ukara vorgelagert ist. Nördlich vom Rugedsi-Kanal schneidet der tiefe, vielgegliederte Baumann-Golf ein, mit hohen Halbinseln und Inseln im Westen, mit flachen Papyrusufern im Osten. Er ist durch eine schmale Landenge, welche das Majita-Massiv mit dem Festlande verbindet von der Majita-Bai getrennt. Weiter nördlich ist der Verlauf der Küstenlinie nur oberflächlich bekannt und haben wir möglicherweise recht wesentliche Veränderungen der Karte zu erwarten.