Die Gewässer des Urundi-Plateaus, theilweise schon jene von Ussui zeigen sämmtlich einen gleichförmigen Charakter. Nur grössere Flüsse, wie der Kagera und Akanyaru haben breitere, tiefe Thäler erodiert, sonst zeigt sich bei allen Wasserläufen ein System von Thalstufen. Die engen Thäler sind mit papyrusreichen Hochsümpfen erfüllt, durch welche der Bach träge sickert, um dann in felsigen Schnellen eine Stufe zu überwinden und in ein neues Papyrusthal einzutreten. In Ost-Ussui treten öfter sehr schön erhaltene Felsterrassen an den Thalhängen auf (vid. Kopfleiste des Kapitels), in Urundi sind diese durch die Verwitterung und durch Ueberlagerung mächtiger Lehmschichten verschwunden und die Thäler von steilen, grasigen Hängen eingeschlossen. In Süd-Urundi fehlen die Papyrussümpfe und die Flüsse besitzen in den Absätzen der Stufen etwas breitere Thäler mit Alluvialmassen, welche sie in vielgewundenem Lauf durchschneiden.

Weit wasserärmer als das Nilgebiet ist, wie erwähnt, jenes des Mlagarassi, der jedoch selbst ständig Wasser führt und einen merkwürdigen, fast kreisförmigen Lauf besitzt. Er entspringt nämlich in der Landschaft Uganda nördlich von Ujiji, fliesst hierauf, einen Bogen gegen Norden bildend, durch die Landschaften Urundi und Uha, biegt sodann wieder gegen Westen um und mündet südlich von Ujiji in den Tanganyika.

In Uha, wo ich ihn kennen lernte, ist er ein Flachland-Fluss mit breitem Ueberschwemmungsgebiet. Er nimmt dort einige ziemlich wasserreiche Bäche, sonst wohl nur periodische Läufe auf, deren grösster der Igombe ist.

Ueber das Gebiet des Russisi konnte ich, wie oben erwähnt, nur gerüchtweise Nachricht einziehen. Von den Urundi-Bergen fliessen ihm zahlreiche wasserreiche Bäche zu. Er soll in der Regenzeit ziemlich weit aufwärts mit Kanus befahrbar sein und keine Schnellen besitzen.

Unweit Ruwenga soll eine heisse Quelle entspringen. Die wenigen Tage, die ich am Tanganyika zubrachte, sind nicht im Stande der ziemlich reichen Litteratur über diesen See Neues hinzuzufügen. Von früh 10 Uhr bis Sonnenuntergang wehte im September ein kräftiger Südwind, der in dieser Jahreszeit regelmässig auftreten soll. Das Wasser war leicht brackisch, aber geniessbar. Nach Aussage der Eingeborenen fällt der See stark und breite Sanddünen zeigen die Fläche, die er früher bedeckte. Auch die von Hore und Livingstone gesehene Insel konnte ich nicht mehr wahrnehmen.

Was die orographische Gliederung anbelangt, so trifft man in Ost-Ussui leicht gewellte Landschaften, die von einzelnen meist N. N. O. verlaufenden Kämmen durchschnitten werden. Weiter landeinwärts treten diese näher aneinander und nehmen Plateaucharakter an. In Urundi ist das allmählich ansteigende Land durch die Erosion in ein ziemlich regelloses Gewirre von Kuppen verwandelt, in welchem die meridionale Kammrichtung kaum noch erkennbar ist. Den Westrand bildet der riesige, fast 3000 m hohe Wall der Missosi ya Mwesi, der jenseits steil nach dem Centralafrikanischen Graben abstürzt.

Durch den Tanganyika und das Russisi-Thal, durch den Albert-Edward- und Albert-See charakterisirt, bildet der Centralafrikanische Graben, wie schon Dr. Hans Meyer ausgeführt, eine mehr lokale aber kaum weniger grossartige Störungslinie als der Ostafrikanische. Die Seen sind sämmtlich durch leicht brackisches Wasser ausgezeichnet und der Tanganyika legitimirt sich durch die Fauna deutlich als Relicten-See. Zum Unterschied vom ostafrikanischen Graben, bei welchem der Westrand allein durchwegs scharf ausgeprägt ist, scheinen hier beide Ränder in gleicher Deutlichkeit aufzutreten. Am Tanganyika sowohl wie am Albert- und Albert-Edward-See tritt der Westrand als schroffe Mauer auf; ebenso präsentirt sich der Ostrand im Süden als die Missosi ya Mwesi, im Norden als Ruvensori bis über die Schneegrenze aufragend.

Die von Suess vermuthete Aufwulstung der Grabenränder, tritt hier bei den Randgebirgen deutlich auf. Ueberall bildet die Höhe des Abfalls auch die Wasserscheide, auf der einen Seite die des Kongo, auf der anderen die des Nil, dessen Ursprung sich in nächster Nähe des Grabens befindet. Aehnlich wie der Gurui sich in der Sohle des Ostgrabens erhebt, so ragen hier die Mfumbiro-Vulkane auf, einen deutlichen Beweis für den Bruchcharakter dieser Senkung liefernd.

Von dem östlichen Randwall des Tanganyika zweigt jener Kamm ab, welcher die Wasserscheide zwischen Kagera und Mlagarassi bildet und erst steil und felsig ist, dann immer mehr abflacht. Südlich davon sind nur niedrige Hügelzüge vorgelagert, aus welchen man in das Flachland von Unyamwesi tritt.

Der geologische Bau ist durch das Vorherrschen krystallinischer Gesteine bezeichnet; nur selten und meist an grossen Flussläufen, wie dem Kagera und Akanyaru, werden die liegenden plutonischen Gesteine, Granit und Diabas, durch die Erosion blosgelegt. In Ussui und Urundi bis zum Akanyaru ist Quarzit vorherrschend mit meist N. N. O. — S. S. W.-Streichen und steilem W. N. W.-Fallen. Derselbe ist vielfach mergelich verwittert und oft mit dicken Lateritmassen überlagert. Vereinzelt tritt Gneiss, Glimmerschiefer und Urthonschiefer in gleicher Lagerung auf, letzterer am Muhembaberg graphithaltig. In Ruanda tritt Gneiss auf, während im südlichen Urundi wieder Quarzit vorherrscht. Auch in Uha steht krystallinisches Gestein an, welches vielfach eisenschüssig verwittert ist und sich an das Granitgebiet von Unyamwesi anschliesst. —