Wahrscheinlich paläozoische Sedimente treten an einigen Punkten Urundi's auf, Kalke fand ich nur in Uha, doch sollen solche auch bei Ruvenga am Westufer des Tanganyika anstehen.

Das Klima ist in ganz auffallender Weise durch die Wasserscheiden beeinflusst, indem das Gebiet des Kagera fruchtbar und reicher an Niederschlägen ist als das Tanganyika-Gebiet, während das Urigi-Gebiet etwa die Mitte zwischen beiden einhält. — Der Grund liegt wohl hauptsächlich in der verschiedenen Seehöhe, möglicherweise auch in herrschenden Windrichtungen, deren Erforschung der Zukunft vorbehalten bleibt.

An das Klima ist die Vegetation gebunden, welche den Landschaftscharakter bestimmt. Durch einen Steppenstreifen ist das Nyansa-Ufer von Ussui getrennt, ein vorherrschend offenes, grasiges Gebiet in dem nur Siedelhaine und vereinzelt hohe Laubbäume aufragen. Diese verschwinden im centralen Ussui, das einen sehr dürren Charakter mit rothem, eisenschüssigem Gerölle und spärlichem Gestrüpp an den Hängen besitzt. West-Ussui und Urundi sind fast ganz Weideland, mit Wiesen die alljährlich abbrennen und deren Eintönigkeit nur durch die dunkelgrünen Papyrus-Sümpfe und Siedelhaine unterbrochen wird. Erst an den Hängen der Missosi ya Mwesi tritt Bergwald mit zahlreichen Bambus auf. Das südliche Urundi, welches schon dem Mlagarassi-Gebiet angehört, ist ziemlich trocken und steinig. Uha ist ein Waldland; auf ungeheuren Strecken bedeckt mit wasserarmen, lichten Laubwäldern, in welchen Caesalpiniaceen vorherrschen und welche als Miombowälder in das östliche Unyamwesi übergreifen. Die einzige Unterbrechung dieser Wälder bilden in Uha ausgedehnte, zur Regenzeit versumpfte Savannen. Da das ganze Gebiet mehr oder weniger dicht besiedelt ist, so ist Wild ziemlich spärlich und findet sich nur in den Wildnissen von Uha. —

Wenn wir das ganze Gebiet überblicken, so finden wir in demselben eine uralte Kontinentalmasse, in welcher Sedimente nur eine untergeordnete Rolle spielen und die durch das Vorherrschen primärer Gesteine ausgezeichnet ist. Die gebirgsbildenden Motoren, die in Europa und Asien durch Faltung das Antlitz der Erde veränderten, übten hier keine wahrnehmbare Wirkung. An ihre Stelle traten grossartige Störungslinien, welche das Land, in geologisch jüngster Zeit, in einzelne Schollen zerrissen und es zu einem der merkwürdigsten und bedeutungsvollsten Gebiete der Erdoberfläche machten.

Kapt. Spring photogr.

Granitfelsen in Usukuma.

[[←]] VIII. KAPITEL.
Die Völker des abflusslosen Gebietes.

Die Massai. — Die Wandorobo. — Die Wataturu. — Die Wafiomi. — Die Wambugwe. — Die Wanyaturu. — Die Wassandaui. — Wanderungen der Stämme.

Wie aus der allgemeinen Beschreibung hervorgeht, ist das abflusslose Gebiet durch das immerhin bedeutende Auftreten von Steppenstrichen bezeichnet. Zwar sind dieselben nicht annähernd so ausgedehnt als man vermuthete und viele Gegenden, die als Wüsten bezeichnet wurden, erwiesen sich als ausserordentlich fruchtbar, ja mit als die besten Länder Ostafrika's. Aber immerhin ist das Gebiet, welches menschlicher Siedelung einen günstigen Boden bietet, ein beschränktes und selbst von diesem ist nur ein geringer Theil ständig bewohnt, das übrige bildet den ungeheuren Weide- und Jagdgrund nomadischer Volksstämme. Gerade die schwierige Zugänglichkeit des Gebietes hat jedoch seine Bewohner in einer Ursprünglichkeit und Unberührtheit erhalten, wie sie in heutiger Zeit nur selten anzutreffen ist.