Die Massai sind meist hochgewachsen, schlank und langbeinig. Ihre Körperformen sind selten voll, sondern auch bei Männern vielfach zart und weibisch, doch oft von grosser Schönheit. Dennoch besitzen sie bedeutende Muskelkraft und Ausdauer. Die Extremitäten sind zierlich und schmal, die Haut ist meist dunkler als chokoladebraun und erstaunlich weich und sammetartig. Der Gesichtstypus variirt sehr. In Sogonoi und Kiwaya, also im Steppengebiet, findet man oft negerhafte Züge, hier treten auch vollere Körperformen auf. Fast rein hamitisch sehen die Plateau-Massai, also die von Mutyek und Serengeti aus. Dieselben haben regelmässige Züge, schmale Nasen und glänzende, schwarze Augen die manchmal leicht schiefgestellt sind. Im Alter werden die Züge hart und oft adlerartig scharf. Häufig trifft man sogenanntes Hamiten-Haar. Wenn der Kopf frisch rasirt ist, so erscheint das nachwachsende schwarze Haar bis zur Länge von ca. 1 cm völlig glatt und bekommt dann erst eine leichte Kräuselung, die an die Kraushaare mancher Europäer erinnert. Beim echten Wollhaar erscheinen dagegen schon die ersten Haaransätze gekräuselt. Dieses, an der Küste bei Mischlingen von Arabern und Negern nicht seltene Hamiten-Haar findet sich bei den Plateau-Massai häufig, etwas seltener bei jenen des Tieflandes die häufig Wollhaare haben.

Im Allgemeinen machen die Massai den Eindruck eines hamitischen Stammes, der in verschiedenen Gegenden mehr oder weniger starke Blutmischungen mit Bantu erhalten hat. Den tiefschwarzen, typisch negerhaften Sudanesen, welchen sie sprachlich so nahe stehen, gleichen sie physisch in keiner Weise.

Das Haar wird von jungen Leuten kurz getragen. Krieger lassen dasselbe lang wachsen und flechten es in fadendünne Strähnen, so dass es von weitem wie schlichtes Haar aussieht. Diese Strähnen werden mit Fett und rother Lehmfarbe eingerieben und verschiedene Frisuren daraus geflochten, bei welcher die mit langem, bastumwundenen Zopf überwiegt. Die eigenthümliche Art der Beschneidung (Incision) beschreibt Thomson ausführlich.

Die Weiber tragen den Schädel rasirt. Die beiden oberen, vorderen Schneidezähne werden bei beiden Geschlechtern vorgebogen, die entsprechenden unteren ausgebrochen, doch ist diese Sitte nicht mehr allgemein üblich. Die Ohrläppchen werden durchlöchert und bis zur Länge von 10 cm und darüber ausgedehnt. Darin tragen die Krieger Eisenspiralen, an welchen Kettchen hängen, die Weiber tellerförmige Eisenspiralen, die oft so schwer sind, dass sie durch einen über den Schädel gelegten Riemen gehalten werden müssen.

Um den Hals tragen die Weiber Bänder aus steifem Leder, auf welchen weisse und rothe Glasperlen genäht sind und von denen Eisenkettchen und Glasperlen herabhängen, die Verheiratheten auch einen tellerförmigen Kragen von dickem, gewundenem Eisendraht. Am Oberarm tragen die Krieger ein Armband aus Horn, am Unterarm manchmal einige Glasperlen. Die Weiber umwinden sich den Unterarm und Unterschenkel mit mächtigen Manschetten aus Eisendraht.

Die Kleidung besteht bei Kriegern aus einem kurzen Lederüberwurf, der die linke Schulter freilässt und niemals die Schamtheile bedeckt. Der selbe ist manchmal aussen behaart und aus verschiedenfarbiger Rindshaut gefertigt. Oefter tragen sie am Hintertheil ein dreieckförmiges Schürzchen als Sitzmöbel. Die älteren Leute haben längere Ledermäntel, ebenso die Weiber, deren, den Busen verhüllende Lederkleidung an den Hüften durch einen Gürtel zusammengehalten wird. An den Füssen trägt man häufig kräftige Ledersandalen.

Der Kriegsschmuck der Massai ist schon oft beschrieben und abgebildet worden. Gerade diese zahlreichen Abbildungen können jedoch die Ansicht hervorrufen, dass dieser wilde, aus Colobusfellen, Straussfedern u. s. w. gebildete Kriegsschmuck allgemein getragen wird. Dies ist jedoch keineswegs der Fall. Ich habe auf dieser und auf meinen früheren Reisen öfter Massai am Kriegspfade gesehen, aber nicht einen einzigen im vollen Kriegsschmuck. Einer oder der andere — von 100 Kriegern etwa ein Dutzend — trugen den bekannten Federschmuck aus Straussfedern, der das Gesicht einrahmt, die übrigen zogen in gewöhnlicher Tracht ins Feld und bemalten sich höchstens mit weissem Mergel an den Beinen.

Körperbemalung ist überhaupt allgemein üblich und wird mit Fett und rother Lehmfarbe ausgeführt. Eine Körperreinlichkeit kennen die Massai nicht. Mein ältester Rinderhirt, ein weisshaariger Elmoruo, gestand mir ein, dass er sich im Leben noch nie gewaschen habe. Deshalb wimmeln denn auch die Haare, Lederkleider, ja selbst der Eisenschmuck der Weiber von Ungeziefer.

Durch Krankheiten wurden die Massai früher wohl nicht viel geplagt, die empfindlichsten waren die Augenleiden, welche durch die zahllosen Fliegen verbreitet werden und oft zur Erblindung führen. So zäh und gesund die Massai im eigenen Lande sind, so wenig widerstandsfähig zeigen sie sich in anderen Klimaten. Am besten halten noch die Steppen-Massai einen Klimawechsel aus, die Plateaubewohner gehen jedoch überall in der Niederung, besonders an der Küste oder am Victoria-Nyansa, rasch ein. Gegenwärtig leiden alle Massai an einer grossen Krankheit: dem Hunger.

Was den Charakter der Massai anbelangt, so ist für denselben vor Allem ein grosser Eigendünkel bezeichnend, der sie auf alles, was nicht Massai ist, mit Verachtung blicken lässt. Besonders die Krieger haben eine stolze, freie Haltung, blicken jedem Fremden gerade ins Auge und bringen dadurch, im Gegensatz zu anderen Schwarzen, einen angenehmen Eindruck hervor. Sie wirken auch auf ihren Raubzügen hauptsächlich durch den moralischen Eindruck eines trotzigen, rücksichtslosen Vorgehens, dem schwache Gemüther nicht gewachsen sind. Wo sie aber auf kräftigen Widerstand stossen, wie z. B. bei den Wambugwe, verwandelt sich ihre »Kühnheit« sofort in jämmerliche Feigheit.