Der nomadischen Lebensweise entsprechen die Wohnsitze, oder besser gesagt die Lager der Massai. Sie bestehen aus 40 bis 60 kreisförmig angeordneten Hütten, die einen Viehhof umsäumen. (Abb. pag. 32). Die Hütten haben oblongen Grundriss, sind ca. 1,20 m hoch und durch ein Gerippe von Zweigen gestützt. Dieses wurde früher mit Kuhmist und Lehm, jetzt meist mit Stäbchenmatten und Fellen überzogen. Das Thor, durch welches man seitlich, wie in ein Schneckenhaus, eintritt, liegt an der Innenseite, der Hüttenraum ist in zwei Theile getheilt.
Beim Abzug bleiben diese Hütten stehen und finden sich als Wahrzeichen früherer Siedelungen überall im Massailand verstreut. Nur Felle und Hausgeräth werden auf Esel und Rinder gepackt und mitgenommen.
Das ganze Leben der Massai dreht sich um die Viehzucht, die Jagd war früher nahezu verpönt und wird erst in neuerer Zeit auch von den El Moran (Kriegern) betrieben. Die Hauptpflege wurde den Rindern zu Theil, deren Zahl durch die Raubzüge ungeheuer anwuchs. Daneben hält man auch Ziegen, Schafe und Esel. Die Zuchtwahl scheint den Massai nicht unbekannt, wenigstens sah ich öfters Schafböcke, welchen man steife Lederschürzen umgebunden hatte, um eine Fortpflanzung zu verhindern. Die Rinder gehören durchweg der Zebu-Rasse an, Anklänge an den bei den Watussi auftretenden Sangatypus der Galla-Länder fehlen gänzlich. Der Grund liegt jedenfalls in den Raubzügen, die den Massai massenhaft Rinder der ansässigen Völker zuführten, wobei etwa vorhandene ursprüngliche Formen aufgingen. Die Esel sind kräftig, untersetzt, von grauer Farbe und sehr ausdauernd. Bei den Krankheiten der Hausthiere werden verschiedene Arzneimittel angewendet. Den Rindern pflegt man mit einem eigenen kurzen Pfeil eine Ader zu öffnen, um deren Blut zu trinken, hierauf wird die Wunde wieder zugeheilt. Die Tödtung der Rinder geschieht durch einen Stich ins Genick. Das Melken der Kühe ist nur Nachts gestattet.
An Geräthen besitzen die Massai sehr wenig und nichts selbst gefertigtes, mit Ausnahme der Schmucksachen. Schlechte Thontöpfe liefern ihnen die Wandorobo, Kalebassen erhalten sie von den ackerbautreibenden Stämmen. Als Waffen dienen den Kriegern Speer, Schild, Schwert und Keule, den älteren Männern Bogen und Pfeile. Die Eisengeräthe fertigen die Elkonono, doch glaube ich nicht, dass dieselben das Herstellen von Eisen aus dem Erz verstehen. Vielmehr wird Eisen meist als Eisendraht von Karawanen importirt oder in anderer Form von Ackerbauern bezogen. Die schönsten der grossen breitklingigen Massai-Speere machen übrigens gar nicht die Massai, sondern die Wadschagga und Ober-Aruschaner, die auch die Eisen- und Kupferkettchen fertigen. Der Schild wird aus Büffelhaut von den Wandorobo gefertigt und mit Erdfarben in den Wappenmustern bemalt. Dieselben gelten für bestimmte Distrikte, z. B. kann man einen Mutyek-Schild sofort von einem aus Sogonoi erkennen. Die Keule ist aus hartem Holz und dient weniger als Waffe, als zum agiren bei Reden, sie wird auch meist nur von Anführern getragen. Die Elmoruo (die älteren Leute) tragen leichte Bogen und Pfeile in Holzköchern.
Pfeil zum Aderlassen der Rinder, Massai.
Bei der Geburt eines Kindes umgeben verwandte Frauen die Wöchnerin, Männer dürfen die Hütte nicht betreten. Knaben sind beliebter als Mädchen, doch soll Kindesmord niemals vorkommen. Ist die Geburt glücklich vorüber, so wird für den Vater ein Rind, für die Mutter ein Schaf geschlachtet. Der Knabe, Layok, läuft völlig nackt und erhält Unterricht im Viehtreiben und Speerschwingen, manchmal wird er wohl auch bei Kriegszügen mitgenommen. Das Mädchen, Ndoye, verbringt die Jugend bei der Mutter, bis sie mit ca. 12 bis 13 Jahren als Ndito in den Elmorankraal kommt. Auch der Knabe wird schon mit 16 Jahren für erwachsen gehalten, was durch ein Fest gefeiert wird. Die älteren Leute versammeln sich, schlachten ein Rind und trinken drei Tage lang Honigwein. Dann werden die jungen Leute durch einen Kundigen — nicht den Zauberdoktor (Laibon) — nach Massai-Art beschnitten und die Zähne und Ohren in der oben erwähnten Weise behandelt. Bis zur Heilung der Wunde leben sie abseits im Busch und nähren sich von kleinen Vögeln, deren Bälge sie um den Kopf gewunden tragen.
Dann wird der junge Mann in den Elmorankraal aufgenommen und lebt zusammen mit den Nditos. Zeugt er ein Kind, so ist es üblich, dass er das Mädchen heirathet und Elmoruo wird, doch kann er sich auch durch ein Geschenk an den Vater loskaufen. Die Nahrung des Elmoran ist eine rein animalische; ausser Fleisch, Blut und Milch darf er nur Honig und Zuckerrohr geniessen. Wildfleisch und vor allem Getreide sind ihm gänzlich verpönt, so dass derjenige, welcher als Krieger »Ngúruma« (Getreide) isst, keine Frau bekommt. Das Blut wird in der oben beschriebenen Weise direkt aus der Ader des Rindes getrunken. Fleisch wird an Stöcken gebraten. Milch wird im Allgemeinen nicht gekocht, nur für Verwundete mit Blut vermischt und warm gemacht, ein Gebrauch, der jedoch von Fremden (Wagogo?) entlehnt sein soll. Sonst darf der Elmoran am selben Tage nicht Fleisch bezw. Blut und Milch zusammen geniessen.
Aller Nahrung wird ein aus einer Akazienrinde gewonnenes Mittel »Mokota« beigemengt, welches Erbrechen und Abführen, sowie bei reichlichem Genuss eine Art Berserkerwuth hervorbringt, in welcher die Krieger vor Aufregung zittern und wobei ihnen Speichel aus dem Munde fliesst. Fleisch mit Mokota und Milch soll jedoch Ruhr erzeugen, woher der obige Gebrauch stammt, an demselben Tage entweder nur Fleisch oder nur Milch zu geniessen. Auch die Weiber, vor allem die Nditos, geniessen Mokota, dürfen aber auch Pflanzenkost zu sich nehmen.
Im Kraal selbst darf keine Nahrung genommen werden. Um ein Rind zu schlachten, ziehen die Krieger mit einigen Nditos in den Busch, errichten mehrere leichte Grashütten und verschlingen dann unglaubliche Mengen Fleisch. Grosse und kleine Bedürfnisse verrichten die Massai stehend mit ausgespreizten Beinen.