Erscheint ein Todter im Traume, so wird der Zauberdoktor befragt, der dann meist die Opferung eines schwarzen Stieres fordert, dessen Nabel im Grabe verscharrt wird. —

Wie aus dem Obigem hervorgeht, spielt auch bei den Wambugwe, wie bei allen Bantu der Ahnenkult die erste Rolle. So werden auch Löwe und Elephant als Geister längst Verstorbener angesehen. Ein eigentlicher Gottesbegriff scheint jedoch zu fehlen.

Die Sklaverei ist in Umbugwe unbekannt, ihr kriegerischer Sinn schützt die Wambugwe auch vor Sklavenjagden, welche die Ober-Aruschaner nach diesen Gegenden zu unternehmen pflegen.

Die ursprüngliche Regierungsform ist zweifellos die Familien-Republik, wie sie heute noch im Distrikt Wabwa besteht. Die ungeheure Macht der Zauberdoktoren, sowie die Erblichkeit dieser Würde, liessen dieselben jedoch rasch zu kleinen Herrschern, Häuptlingen, heranwachsen. Von den drei in Umbugwe lebenden Häuptlingen ist nur Mbi ein echter Mbugwe, Mtakayko hat Wataturublut und Kutadu ist ein reiner Mtaturu. Die beiden Letzteren sind die mächtigsten und als Zauberer sehr gefürchtet, ihr reicher Viehbesitz stammt fast nur von Geschenken her, die sie in dieser Eigenschaft bekamen.

Zu ihren Künsten gehört vor Allem das Regenmachen. Dazu nimmt der Zauberer bei hellem Sonnenschein ein schwarzes Kalb und ein schwarzes Schaf, hebt sie auf das Tembedach, schlitzt ihnen den Bauch auf und spritzt den Mageninhalt nach allen Richtungen. Dann giesst er Wasser und Medizin in ein Gefäss; ist der Zauber gelungen, so kocht das Wasser auf und Regen erfolgt. Um Regen zu hindern zieht sich der Zauberer in das Innere des Temberaumes zurück und erhitzt einen Bergkrystall[19] in einer Kalebasse.

Die Macht des Häuptlings ist sehr durch die Aeltesten beschränkt, die in allen wichtigen Angelegenheiten mitzusprechen haben. Zu seinen Vorrechten gehört, dass er die Erlaubniss zum Ernteschnitt giebt; am ersten Tage wird dann auf seinen Feldern geschnitten.

Die Kriege der Wambugwe untereinander sind wenig blutig. Ziegen und Rinder werden dabei niemals fortgetrieben, als Beute gelten nur Hausgeräth und Hühner. Ganz anders freilich wissen sie sich gegen auswärtige Feinde zu vertheidigen. Als mächtiger Kriegszauber wird ein Angehöriger des feindlichen Distriktes abgefangen, getödtet, seine Haut abgezogen und an Armen und Brust getragen. Als Friedenszeichen überreichen die Wambugwe etwas Gras, das sie nach Massaiart vorher bespeien. Ihr gewöhnlicher Gruss ist »Tálala«.

Mord wird durch Blutrache gesühnt. Von Diebstählen werden nur die grösseren dem Häuptling angezeigt. Dieser verbannt dann den Dieb und zieht dessen Eigenthum ein, wobei die Aeltesten etwas, der Bestohlene aber nichts abbekommt. Grundbesitz ist bekannt, das urbar gemachte Land gilt endgiltig als erworben.

Sonne und Mond betrachten die Wambugwe als Brüder, die Sterne als Menschen, deren einer stirbt, wenn eine Sternschnuppe fällt.

Wenn wir das Gesammtbild der Wambugwe betrachten, so finden wir einen körperlich und geistig gesunden, völlig urwüchsigen Stamm, der nach jahrhundertelanger Abgeschlossenheit nun plötzlich mit der Aussenwelt in regen Verkehr tritt. Es ist zweifellos, dass die Veränderungen, welche dessen Lebensgewohnheiten schon in den nächsten Jahren erleiden müssen äusserst tiefgehende sein werden. Mir jedoch, der ich als erster Weisser die Wambugwe in voller Ursprünglichkeit gesehen, der ich ihnen — hoffentlich als letzter Europäer — in blutigem Kampfe gegenüberstand und sie dann aber auch als Freunde kennen lernte; mir scheint es fast sicher, dass dieser Stamm bei kräftiger und doch maassvoller Behandlung zu einem der wichtigsten Kulturelemente Deutsch-Ostafrika's heranzubilden wäre. —