Hacke mit Holzklinge der Wanyaturu.
Die Geburt eines Kindes wird durch Freudengeschrei gefeiert, bei Zwillingen findet ein Fest statt. Die Beschneidung und das Ausbrechen der unteren vorderen Schneidezähne findet bei beiden Geschlechtern im Jugendalter statt. Unverheirathete Kinder schlafen nicht in demselben Raum mit den Eltern. Ein junger Mann, der heirathen will, bringt dem Brautvater Pfeile, werden diese angenommen so wird der Brautpreis — meist 4-6 Ziegen — bestimmt. Die Zahl der Frauen ist unbeschränkt. Will Jemand sich von seiner Frau trennen, so muss der Vater den Brautpreis zurückzahlen, sind Kinder vorhanden so geschieht dies nicht und die Kinder bleiben ihrem Vater. Stirbt die Frau, so ist es üblich, dass deren Verwandte dem Gatten einen Ersatz stellen. Die Feldarbeit wird von beiden Geschlechtern besorgt. In Krankheitsfällen werden Pflanzenmittel zusammen mit dem Fleisch erwürgter Ziegen gegeben. Todte werden kauernd, bedeckt mit frischem Ziegenfell, begraben.
Saiteninstrument der Wanyaturu.
Von einem Gottesbegriff kann kaum die Rede sein, auch hier, wie bei allen Bantu herrscht der Ahnenkultus, bezw. die Furcht vor Geistern, welche Krankheiten hervorrufen sollen. Macht der Geist eines Verstorbenen sich derart unangenehm bemerkbar, so wird der betreffende Leichnam wieder ausgegraben und mit einem Opferschaf neuerdings beerdigt.
Der grösste Tag im Jahr ist das Erntefest, bei dem Tänze und Stockgefechte stattfinden. Dieselben dienen nur zum Vergnügen, obwohl dabei nicht selten Leute schwer verletzt, ja getödtet werden. Die Kämpfer zielen immer hauptsächlich aufs Schienbein.
Eine Gemeindeverfassung oder ein Oberhaupt irgend welcher Art kennt man in Turu nicht; Jedermann ist Herr seiner Familie und thut sonst was er will. Nur Krieg wird durch eine Art Volksversammlung beschlossen, bei welcher Greise das grosse Wort führen, doch giebt es keine Anführer dabei, sondern jeder geht vor, wie es ihm eben einfällt. Trotzdem binden die Wanyaturu mit allen Nachbarn, vorzüglich Ussure und Iramba, stets an, werden jedoch meist zurückgeworfen. Den Massai gegenüber sind sie wehrlos. Ich selbst lernte sie als ein boshaftes, elend feiges Gesindel kennen.
Auch untereinander führen sie öfters Krieg, wobei die Partei, bei der ein Mann fällt, als besiegt gilt. Gefangene Männer werden dabei getödtet, Weiber nicht gefangen genommen. Sklaverei ist im Lande unbekannt, doch verkaufen zur Zeit einer Hungersnoth die Wanyaturu öfters ihre Kinder, und Sklaven dieses Stammes sind in Tabora und Irangi nicht selten und gelten als recht brauchbar.
Die Wanyaturu bilden ein unruhiges, wildes Bevölkerungselement. Alle europäischen Reisenden, von Stanley an, die das Land durchzogen, wurden angegriffen oder doch belästigt, kleine Karawanen wurden ausgeplündert. Nur in Unyanganyi, wo die Wanyamwesi-Ansiedler die Wanyaturu gründlich geschlagen und zu Paaren getrieben haben, sind sie jetzt freundlich und entgegenkommend. Durch solche Ansiedlungen allein könnte auch das übrige Land dauernd pacificirt werden.