Als Nachbarn der Wanyaturu, von diesen jedoch verschieden und nicht mehr der Bantu-Gruppe angehörig, leben die Wassandaui. Dieser kleine Stamm, der von besonderem Interesse ist, bewohnt die rings von Steppen umgebene Landschaft Ussandaui. Irgend welche Tradition einer Einwanderung hat sich bei ihnen nicht erhalten, sie behaupten stets in ihren jetzigen Wohnsitzen gelebt zu haben. Jedenfalls sind sie sehr alte Ansiedler, wie schon ihre Sprache schliessen lässt, die an Schnalzlauten reich und von jenen der umwohnenden Stämme gänzlich verschieden ist.
Mit ihnen nahe verwandt ist das Jägervolk der Wanege oder Watindiga, welche die Steppen zwischen Iraku und Usukuma durchstreifen und nach der Ueberlieferung der Wambugwe vor diesen die Landschaften am Südende des Manyara inne hatten. Die Wanege stellen offenbar den ursprünglicheren Zweig des Stammes dar, während die Wasandaui als angesiedeltes Jägervolk erscheinen.
Dem Körperbau nach sind es mittelgrosse, kräftige und gedrungene Leute von häufig rothbrauner bis kupferrother, seltener dunkler Hautfarbe (Abb. pag. 112). Der Typus ist sehr variabel, neben rein negerhaften sieht man Gesichter die mit schiefgeschlitzten Augen an Hottentotten erinnern, andere, die den hamitischen Typus tragen. Offenbar ist ein Urvolk hier durch Blutmischungen mit Nachbarstämmen verändert worden.
Die Haare werden oft zu kleinen, mit Fettlehm angemachten und roth bemalten Zöpfchen geflochten. Der Körper wird vielfach roth bemalt. Die Männer tragen Bastschnüre und Perlen um den Leib. Zum Unterschied von den Wanyaturu, denen sie im Aeussern sonst nahe stehen, lassen sie vorn ein Zeugfetzchen herabhängen, das an Stelle des früher üblichen Hühnerhalses getreten ist. Die Weiber tragen Lederlendenschurze.
Von Charakter sind die Wassandaui gutmüthig und friedlich, früher sollen sie bösartig gewesen sein, doch sind sie von den Wanyamwesi-Ansiedlern unterworfen worden.
Ihre Wohnungen sind Temben, die jenen der Wanyaturu gleichen, etwa 4 m im Quadrat halten, circa brusthoch und innen vertieft sind und einen Viehplatz einsäumen. Im Innern der Hütte sieht man gut gefertigte grosse Holzschachteln, ähnlich wie in Uha, als Getreidebehälter, ein Gegenstand, dessen Gebrauch vielleicht von den Wanyamwesi eingeführt wurde.
Bogen der Wassandaui.
Eine grosse Rolle spielt die Jagd, der die Wassandaui mit besonderem Eifer nachgehen. Sie benutzen dazu Bogen und Pfeile.