Während im Spiel Colombina und Pulcinello sich hinter Pantalone laut küssen, und dieser, sich plötzlich umkehrend, eine Ladung weißen Puders im Gesicht empfängt, und unbeholfen hin- und hertaumelt, was von allen Seiten mit lautem Gelächter begrüßt wird, tritt der Zeremonienmeister.

BURCARD (auf den Papst zu). Eure Heiligkeit, die Vesper hat in der Kapelle begonnen; die Kirche ist gedrängt voll und das Volk erwartet am Ostertag Euren Segen!

DER PAPST. Wir wollen das Spiel sehen; auch hat Uns der Tod Unseres lieben Schwiegersohns zu plötzlich erschüttert.—Man öffne (auf die Galerie weisend) dort die Fenster, und sage dem Volke, daß ich von der Loggia dort der Vesper beiwohne. Der Zeremonienmeister ab.

Gleich darauf sieht man oben die Fenster zwischen den Rundbögen der Galerie, wo das Volk steht, rückwärts vom Innern der Kirche aus sich öffnen, so daß man einen Einblick auf Fries, Gebälk, Statuen und angezündete Kronleuchter erhält.—Während dem nimmt das Spiel seinen Fortgang. Wie Pulcinello mit der Pritsche dem verwirrt hin- und herlaufenden Pantalone nacheilt und auf ihn losschlägt, und Colombina, sich versteckend, hinter Pulcinello drein eilt, hört man plötzlich aus den Fenstern über der Galerie in wehmütig-schmerzlichem Ton ein mehrstimmiges Graduale singen.

CHOR. De profundis clamavi ad te Domine; Domine exaudi vocem meam; Fiant aures tuae intendentes in vocem deprecationis meae; Si iniquitates observaveris Domine, quis sustinebit? Speravit anima mea in Domino; A custodia matutina usque ad noctem; quia apud Dominum misericordia et copiosa apud eum redemptio. Et ipse rediniet nos ex omnibus iniquitatibus nostris[2].

Schon bei den ersten Tönen ist das Volk oben auf der Galerie scheu von den Fenstern zurückgewichen, und hat sich, sich bekreuzend, halb gegen das Innere der Kirche gewendet. Unten sieht man, mehr gegen den Hintergrund, einige Gesichter und verlegene Mienen. Aber der Papst mit seiner Familie bleibt heiter und das Spiel nimmt, wenn auch etwas gezwungen, seinen Fortgang.

Kurz nach dem Graduale geht auch das Spiel zu Ende. Der Papst gibt der Musik ein Zeichen, und diese beginnt ein neues Musikstück, zu dem im Hintergrund die Paare tanzen. Pulcinello und seine Truppe verabschieden sich unter tiefen und grotesken Bücklingen. Man wirft ihnen Goldstücke zu. Der Papst winkt Colombina zu sich hin, der er die Backen streichelt und ihr ein besonderes Geldgeschenk in die Hand drückt, worauf sie sich mit einem Handkuß verabschiedet.

DER PAPST (nachdem die Musik geendet, klatscht in die Hände). Wo sind unsre Schönen?

Auf dies Zeichen öffnet sich im Hintergrund der Galerie ein Vorhang und zwölf Courtisanen von auserlesener Schönheit betreten, durch leichte, durchsichtige Gewänder verhüllt, den Saal, und nehmen rechts im Vordergrund Aufstellung; der Papst mit den Herren und Damen seiner Umgebung gehen auf sie zu, mustern sie, und bewillkommnen sie unter scherzenden Redensarten.

DER PAPST (nachdem er sie alle gemustert, erstaunt). Wo ist die Pignaccia?[3]