Die am wenigsten sympathischen Bewohner des Urwaldes sind die Schlangen. Glücklicherweise haben sie vor dem Menschen genau ebensoviel Respekt, wie er vor ihnen, und kneifen beim leisesten Geräusch aus. Ich habe auf meinem Wege keine einzige gesehen. Doch schreckt man unwillkürlich zusammen, wenn man das Laub rascheln hört. Es sind tausende von Eidechsen, die hier eine unwahrscheinliche Größe erreichen. Wie der Blitz huschen sie über den Weg und verschwinden im Moose, man hat kaum Zeit, ihre grünschillernde Schwanzspitze zu sehen. Als wir eines Morgens auf die Veranda traten, prallten wir entsetzt zurück. Im Sande vor dem Hause lag eine enorme Riesenschlange. Erst bei näherem Hinsehen bemerkten wir, daß sie keinen Kopf mehr hatte, obgleich sie sich noch den ganzen Tag ringelte und wand. Ein Indianer hatte das scheußliche Tier nicht weit vom Hause erschlagen. Ihre drei Meter lange, einen halben Meter breite, prächtig blau und grüngolden schimmernde Haut bildet jetzt ein Staatsstück meiner Sammlung.

Von den wilden Tieren des Urwaldes hört man wenig und sieht man gar nichts. Abends tönt ab und zu der Schrei einer Wildkatze aus den Bergen herüber. Alle Jubeljahre einmal stattet ein Leopard seine Visite ab, um dann freilich in einer Nacht eine ganze Schafherde umzubringen, denn er saugt den Tieren nur das Blut aus und läßt die Kadaver liegen.

Tafel 10

Abschalen der China-Rinde
Anzapfen eines »Gummibaumes«

5. MAPIRI UND GUANAY.

Allmählich wurde es Zeit für uns, an die Weiterreise zu denken. Wir beschlossen zunächst nach Mapiri zu gehen und von dort aus flußabwärts bis Guanay zu fahren.

Eine Tagereise lag vor uns, als wir uns am Morgen des 17. April auf den Weg machten. Der liebenswürdige »gerente« von San Carlos gab uns das Geleit. Da wir es der Fiebergefahr wegen vermeiden wollten, in Mapiri zu übernachten, kehrten wir unterwegs in San Antonio, der Hazienda eines bolivianischen Senators, ein. Wir wurden aufs freundlichste aufgenommen und beherbergt. Die Annehmlichkeit des Aufenthaltes wurde nur dadurch geschmälert, daß wir veranlaßt wurden, nach hiesiger Sitte, unsere Bekanntschaft mit den Administratoren der Hazienda bis zur Bewußtlosigkeit – nicht im buchstäblichen Sinne des Wortes – mit Cocktails aus Zuckerrohrschnaps zu begießen.