»Ich habe ihn aufgefordert zu kommen, er hat aber abgelehnt wegen eines Unwohlseins,« erklärt Herr Förster.
»Sonderbar,« meint Frau von Manz – man nennt sie gewöhnlich die Rheinweinkönigin, weil ihr verstorbener Mann den größten Teil seines Vermögens in Johannisberger und Rüdesheimer gemacht haben soll – »ich möcht schwöre, daß ich dem Solinge heut auf der Zeil begegnet bin.«
»Solingen ist ein sehr armer Teufel, es demütigt ihn offenbar, mit wohlhabenden Leuten zusammenzukommen,« erklärt Herr Förster mit nicht zu beunruhigendem Selbstbewußtsein.
Die Rheinweinkönigin zuckt die Achseln. Sie ist nicht dumm, trotz ihrer zahlreichen Schrullen. »Hm!« macht sie ruhig, »wenn mich nicht alles täuscht, läßt Sie der Alteried auch im Stich. 's ist ihm nicht übel zu nehme. 's muß ein sonderbares Gefühl sein, so in ei' Haus zu trete, das einem Fremde gehört und von dem man sich sagt, das Haus sollt eigentlich mei Haus sein! Es hat überhaupt Mut dazu gehört, Ulmehof zu kaufe.«
»Wieso?« fragt etwas übellaunig Herr Förster.
Die Rheinweinkönigin klappert nur schläfrig mit ihrem Fächer, und einer der anwesenden Herren nimmt das Wort.
»Man behauptet, es spuke in Ulmenhof jedesmal, wenn ein neuer Besitzer darin auftaucht,« erklärt der Herr. »Der letztverstorbene Altenried geht dann in dem Schloß um und zwar so lange, als bis der jeweilige Besitzer durch einen Unglücksfall vertrieben wird. Das Haus will, wie es scheint, keinem anderen gehören als einem Altenried.«
»Thörichter Aberglaube!« brummt Herr Förster, dessen Stirn sich verfinstert hat. »Wenn Altenried sich übrigens nicht bald zeigt, werde ich servieren lassen.«
»Das denk ich auch,« versichert Herr Wißmuth mit Überzeugung.
»Ich kann nicht anders vermuten, als daß ihm etwas zugestoßen ist,« meint Herr Förster. Die arme Kitty hat nur gerade Zeit gehabt, totenblaß zu werden, als die Thür aufgeht und Altenried erscheint.