»Zehn Stück.« Altenried lächelte, während er Anna von Hohleisen diese verblüffende Mitteilung machte, aber er zuckte munter die Achseln: »›'s ist kein Krüppel, kein Trottel, kein schlechter Kerl darunter,‹ damit entschuldigt sich meine Mutter jedesmal, wenn man ihr den allzu großen Kindersegen zur Last legt, mit dem sie meinen Vater beglückt hat.«

»Sie sind der Älteste?«

»Nein, ich stecke mitten drin.«

»Und Ihre Mutter ist noch wohlauf?«

»Ja, gottlob. Sie trägt ihr Schicksal rüstig und ist sogar sehr heiter, obgleich sie ihre Witwentrauer nie abgelegt hat. Meine Mutter ist eine wunderschöne alte Frau. Sie sieht Ihnen etwas ähnlich, gnädiges Fräulein.« Kaum waren die Worte gesprochen, so wurde er verlegen.

Anna lachte. »Ich hab's Ihnen nicht übel genommen,« versicherte sie dem jungen Mann gutmütig, »im Gegenteil, in meinem Alter freut man sich über jedes Kompliment.«

»Aber meine Mutter ist natürlich viel älter als Sie, gnädiges Fräulein,« beeiferte sich Altenried zu versichern.

»Ach, ich bitt Sie, auf ein graues Haar mehr oder weniger kommt's nicht an,« erwiderte die Österreicherin, »zu den jungen Hasen gehör ich ja auch schon längst nicht mehr. Wenn ich zur richtigen Zeit geheiratet hätte, könnte ich jetzt fast einen so großen Sohn haben, wie Sie sind, und unter uns gesagt, es wäre mir ganz recht.«

Das war ein sehr komischer Ausspruch. Anna von Hohleisen sagte manchmal unmögliche Dinge – sie war bekannt dafür –, aber immer so, daß es sie gut kleidete.

Während der junge Mensch sie etwas erstaunt ansah und noch keine Erwiderung auf ihre Worte gefunden hatte, fuhr sie lachend fort: »Es wäre gar nicht übel, sich für seine alten Tage eines solchen Verehrers zu versichern, wie ihn Ihre Mutter an Ihnen hat!« Und dabei griff sie nach ihrem Champagnerglas und sagte mit ihrem lieben Lächeln: »Stoßen wir auf gute Freundschaft an, Herr von Altenried.«