»Von Herzen gern, gnädiges Fräulein!« Während die Gläser der beiden aneinanderklangen, suchte Anna das Gesichtchen Kittys – sie merkte wohl, daß der Blick ihres Nachbarn denselben Weg genommen, doch blieb er nicht auf Kitty haften, sondern glitt sofort wieder ab.

»Gefällt sie ihm nicht, oder wagt er sich nicht an sie heran seiner Armut halber?« fragte sich Anna von Hohleisen. Und der Zweifel gab ihr einen Stich durchs Herz. Es war ihr sehr darum zu thun, daß Kitty diesem jungen Menschen gefallen solle.

Das Diner nahte seinem Ende. Die Diener trugen die Dessertaufsätze herum – Herr Wißmuth hatte ein sehr rotes Gesicht und wässerige Augen und riß unermüdlich Knallbonbons entzwei mit seiner jungen Nachbarin, der er dann schmunzelnd die Devisen vorlas.

Herr Förster hatte soeben einen Toast ausgebracht auf die »neuerblühte Rosenknospe in der Wetterau« und streckte dabei sein Champagnerglas Kitty entgegen.

»Herr Förster macht Fräulein Kitty den Hof,« bemerkte Altenried in einem Tone, von dem Anna sich fragte, ob er wirklich gleichgültig war oder nur so klingen sollte.

»Darüber kann kein Zweifel herrschen,« entgegnete ihm Anna.

»Er hat recht,« sagte Altenried, mit den Bonbonhülsen auf seinem Dessertteller spielend, »es läßt sich nicht leugnen, daß Fräulein Wißmuth prächtig nach Ulmenhof passen möchte.«

»Ja, sie gefällt ihm,« dachte Anna; »aber liebt er sie?«


Kitty hatte keinen Zweifel darüber, nein, nicht den geringsten Zweifel. Sie wußte, daß Altenried von ihr wegschaute, weil Herr Förster ihr Aufmerksamkeiten erwies, weil er ein armer Teufel war und Herr Förster eine gute Partie. Mit achtzehn Jahren fühlt man so etwas genau – später irrt man sich, quält sich mit mißtrauischen Zweifeln ab, oder macht sich lächerlich durch mühsam festgehaltene Illusionen – aber mit achtzehn Jahren irrt man sich nicht!