»Der Förster wird doch nicht ein junges Mädche heirate, das mit einem fremde Offizier in de Mondschein hinauslauft. An und für sich ist nicht viel dabei, aber – es beweist nur, daß sie de Förster nit mag.«

Dies war die Ansicht der Frau von Manz.

Herr Wißmuth fand, daß sehr viel dabei war, und das gab er seiner Tochter sofort bei seiner Rückkehr von Frankfurt zu verstehen. Als den nächsten Morgen Altenried bei ihm vorsprach und um Kitty anhielt, um sie anhielt mit der warmherzigen Innigkeit, die er seiner Natur, mit dem ritterlichen Ernst, den er seiner Erziehung verdankte, wies ihn Herr Wißmuth ab; ja, wies ihn ab, nicht ruhig, vernünftig, mit einer Vertröstung auf die Zukunft und der Aufforderung, sich ein wenig zu gedulden und indessen Beweise von seiner Tüchtigkeit und der Tiefe seiner Neigung für Kitty zu geben, das hätte der junge Mann allenfalls begriffen. Nein, seine Abweisung war schroff, roh und dumm.

»Ich bin ein bescheidener Mann,« sagte Herr Wißmuth, indem er sich bemühte, den jungen Offizier, den er nicht aufgefordert hatte, sich niederzusetzen, von oben herab anzusehen, »ich habe keinen Ehrgeiz. Ein schlichter Bürgerlicher genügt mir zum Gatten meiner Tochter. Ich brauche keinen adeligen Schwiegersohn, dessen Kinder es sich eines Tages in den Kopf setzen könnten, ihren Großvater zu verachten. Ich habe zwar selbst ein Mädchen aus adeliger Familie geheiratet, aus sehr guter adeliger Familie, aber das war etwas anderes. Sie hat sich in allem und jedem nach mir richten müssen, und nicht ich nach ihr. Im übrigen, Herr Baron, befinden Sie sich mir gegenüber in einer gelinden Täuschung, ich meine meinen Vermögensverhältnissen gegenüber. Ich bin kein reicher Mann; die Repräsentation zwingt mich zu gewissen Opfern, welche ich bringe – Kitty zuliebe bringe – aber mir einen adeligen Schwiegersohn anzuschaffen, dazu bin ich nicht reich genug. Ich glaube, wir gehen jeder unsere Wege, und je weniger wir Worte verlieren über Ihren mich sehr ehrenden Antrag, desto besser!«

Auf so etwas hätte es eigentlich nur eine Antwort gegeben – einen Schlag ins Gesicht; da Altenried denselben dem Vater Kittys nicht erteilen konnte, blieb die wohlgesetzte Rede Herrn Wißmuths ohne jegliche Erwiderung.

Um einen Tag später verließ Altenried die Gegend.

Sein Zorn gegen den alten Wißmuth ging so weit, daß er sich vornahm, sich seine Liebe zu Kitty aus dem Herzen zu reißen. Er versuchte nicht einmal, sie noch zu sehen, teilte ihr nur brieflich die ihn geradezu beschimpfende Abweisung, welche seine Werbung erfahren, mit. Dann schrieb er vierzehn Tage nicht, und dann ...? Nun, dann kam eines schönen Morgens ein dicker Brief an Anna Marie, in dem sich ein acht Seiten langes Manuskript für Kitty befand. Nein, er konnte es nicht aushalten ohne Nachricht von seinem Sonnenstrahl, seiner süßen Frühlingsblüte! Er hatte ein ganzer Mann sein und nichts mehr von sich hören lassen wollen, bis er Kitty mit Fug und Recht aus dem Vaterhause hätte abholen können, aber es ging doch nicht. Nur eine Zeile von ihr alle acht Tage einmal, nur einen Gruß, mehr brauchte er nicht, um sich mit seiner momentan recht drückenden Existenz auszusöhnen – aber das brauchte er. Wie reizend er schrieb!

In jedem Verliebten steckt ein Dichter, das ist eine alte Geschichte; aber heutzutage sind so wenig Menschen wirklich verliebt!

Kitty schlief drei Tage nicht vor Freude über den wunderschönen Brief.

Herr Wißmuth war indessen überzeugt, daß alles aufs beste eingeleitet sei und daß Kitty schließlich doch die Frau des Herrn Förster werden würde. Er wühlte im vorhinein mit Wollust in der Goldgrube, als welche ihm das Vermögen seines Schwiegersohnes erschien.