»Ist der Postbote noch nicht gekommen?« fragte Herr Sadis.

»Es ist noch nicht seine Zeit,« sagte Anna Marie.

Noch immer klang das Liedchen herauf mit dem Duft der Rosen und dem der leise hereinbrechenden Herbstverwesung – nur ferner, schwächer.

Da öffnete sich die Thür, das Mädchen brachte die mächtigen Kaffee- und Rahmkannen auf einem Plateau und zugleich die Ergebnisse der Nachmittagspost.

Ein Haufen von Zeitungen und ein einziger Brief – ein Feldpostbrief für Anna Marie – dick und in einer Schrift adressiert, die sie nicht kannte. Sie wurde leichenblaß. – – Aus dem Garten tönte noch immer das süße singende Stimmchen.

Schwiegervater und Schwiegersohn griffen eiligst jeder nach einer anderen Zeitung. Herr Wißmuth suchte begierig nach einem neuen Sieg, Herr Sadis sah nach dem Börsenbericht. Als er damit fertig geworden war, blätterte er die Zeitung durch. »Ach, die Verlustlisten!« bemerkte er, »ich muß doch sehen, ob irgend ein Bekannter darunter ist – zum Glück haben wir niemand im Felde, der uns nahe steht.«

»Setzt euch doch zum Kaffee!« ruft jetzt etwas ärgerlich mahnend Frau Sadis. »Ja, wo ist denn Anna Marie?«

»Sie ist den Augenblick verschwunden,« erklärte Herr Sadis, noch immer in das Studium der Verlustlisten vertieft.

»Ich kann diese Unpünktlichkeit nicht leiden,« beklagte sich Frau Sadis. »Und Kitty, wo ist Kitty?«

»Im Garten unten,« sagte Herr Wißmuth, der bereits an dem Kaffeetisch saß und ein Stück Streuselkuchen in die umfangreiche Tasse – seine Privattasse – tauchte, die ihm seine älteste Tochter soeben mit Kaffee gefüllt. »Ich habe sie noch vor einem Augenblick unten zwitschern gehört.«