»Ruf sie doch, Walter,« bat Frau Sadis ihren Mann, da sie sich dieser Anstrengung nicht gewachsen fühlte.
Noch immer die Zeitung in der Hand, trat Herr Sadis ans Fenster und rief: »Kitty, Kitty, der Kaffee wird kalt.«
Dann vertiefte er sich von neuem in sein Studium. »Schwerverwundete: von Erhardt, Max, Lieutenant beim x Füsilierregiment; Müller, Friedrich, Premierlieutenant – ich glaube, den haben wir gekannt – erinnerst du dich nicht, Bertha, in Bonn bei Frau von Lüdersheim.«
»Ich erinnere mich nicht,« erwidert Frau Sadis.
»Aber du mußt dich doch erinnern – ein kleiner, dicker mit einem roten Schnurrbart, seine Mutter war eine geborene von Rosterwitz.«
»Aber was dir einfällt, der ist ja schon sechsundsechzig an der Cholera gestorben,« erklärt Frau Sadis, indem sie nach dem dritten Stück Streuselkuchen langt.
»Ja richtig,« giebt Herr Sadis zu und fährt fort, die Verlustlisten zu prüfen. Es hat fast den Anschein, als ob er es übel nähme, daß er keinen Bekannten darin entdecken kann. Plötzlich sieht er auf – »Altenried?« bemerkt er fragend – »ob das wohl der ist, der in Ulmenhof mit uns diniert hat; dessen erinnerst du dich doch?«
»Ja, er war ein wenig in Kitty verliebt, glaub ich, ein bildschöner Mensch; 's wär mir leid, wenn dem was zugestoßen wäre!« sagt Frau Sadis und taucht ihre Lippen in die Kaffeetasse. »Vielleicht ist's ein anderer, es dienen so viele Altenrieds.«
Ein leichter Schritt hat sich der Thür genähert – Kitty tritt ein, die Hände voll Rosen und in den Augen einen glücklichen Traum.
»Hans von Altenried,« sagt Herr Sadis, seinen Kneifer aufsetzend. Kitty ist stehen geblieben, wie angewurzelt, niemand hat ihr Eintreten bemerkt.