»Nimm sie mit, wir beide zusammen werden es noch fertig bringen, sie zu ernähren, sie vor Kälte und Hunger zu schützen und zu anständigen Menschen zu erziehen.«

»Ja, ja,« murmelte Kitty – »du bist engelsgut. – Ernähren, vor Kälte und Hunger schützen ... aber die Zukunft – die Summe, welche ich von ihm genommen hab für die Kinder, um ihre Zukunft zu sichern – die ... die ...!«

»Gieb sie zurück,« sagte Anna Marie, ohne einen Augenblick zu zögern.

»Wie kann ich sie zurückgeben,« ächzte Kitty, »ich hab mich ja verkauft um der Kinder willen! Ja, früher – früher wär ich wohl auf deinen Vorschlag eingegangen; jetzt aber – ich kann nicht mehr! Verachte mich, Anna! aber die Kinder fühlen sich wohl in dem neuen Reichtum, sie freuen sich daran, ich könnte sie nicht mehr darben sehen; und wenn ich noch einmal zu wählen hätte, ich nähme die ganze Marter noch einmal auf mich um der Kinder willen!«

»Kitty!« rief Anna Marie entsetzt, ihr voll in die Augen sehend; aber Kitty wich ihrem Blick aus, und den Kopf abwendend, murmelte sie, mit den Achseln zuckend, fast trotzig: »Es ist so!«

Anna Marie maß sie vom Kopf bis zu den Füßen kalt und streng. »Und wenn es so ist,« sagte sie, »wenn es so ist, so beklage dich nicht; unter den Umständen hast du kein Recht dazu.«

»Anna!« rief Kitty flehentlich, die kleinen Hände ausstreckend. Aber Anna Marie wendete sich ab.

Da seufzte Kitty tief, senkte den Kopf und verließ das Zimmer.

*   *   *

Die Nacht, welche auf diese Auseinandersetzung folgte, verbrachte Anna Marie schlaflos. Anfänglich kochte noch die Empörung über Kittys Schwäche in ihr. »Wie hat sie das thun können! Eher hätte sie sich umbringen sollen – es wäre alles besser gewesen als das!« wiederholte sie sich unaufhörlich.