Jetzt steht sie mit Anna Marie in der Halle und stellt ihr die soeben eingetretenen Offiziere vor – sieben an der Zahl – ein Oberst, ein Oberstlieutenant, zwei Majore, ein Hauptmann, zwei Lieutenants; der Oberst blond, schön, ritterlich (der Prinzessinnentänzer heißt er unter seinen Kameraden), französischer Abstammung, leichtblütig, gutmütig, nicht ohne Anlage zu phantastischen Übertreibungen, immer beflissen, sich populär zu machen, unglücklich, wenn sich unter den Anwesenden ein einziges Geschöpf, und sei's auch nur ein Hund, befindet, dessen Gunst er sich noch nicht zu erwerben vermocht hat; – der Oberstlieutenant, ein Bürgerlicher im Gegensatz zu seinem aristokratischen Obersten, nicht ganz zufrieden damit und mit Vorliebe von den Familienpapieren erzählend, die vor drei Generationen bei der Belagerung von Danzig verloren gegangen sind, im übrigen von allem läppischen Strebertum frei, ungemein schneidig, sehr beliebt trotz seiner burschikosen Manieren, gutmütig wie ein Kind, lebenslustig, diensteifrig, ehrgeizig; – der erste Major, ein echter pommerscher Junker aus sehr gutem Hause, mit dem weißen Malteserkreuz um den Hals, starken markigen Zügen, kleinen, nüchtern und scharf in das Leben hineinblinzelnden Äuglein und vollen Lippen unter einem kurzgestutzten grauen Schnurrbart, äußerlich verbindlich gegen einen jeden, von einem Frankfurter bis zu einem Hottentotten, innerlich fest von der absoluten Superiorität des preußischen Junkertums dem Rest des Weltalls gegenüber überzeugt, aber unbeugsam, pflichttreu, verläßlich, ehrentüchtig durch Erziehung, Standeshochmut und ererbte Naturanlage, nicht unanregend in der Konversation, wenn man ihn nämlich auf sein Lieblingsthema zu bringen weiß, d. i. die langsame und stetige Entwickelung von Preußens Größe, und allezeit bereit, darüber einen kleinen historischen Vortrag zu halten; – der zweite Major, ein geborener Levantiner, der nur durch Zufall in die preußische Armee hineingeraten zu sein scheint und der mit seiner fatalistischen Gleichgültigkeit und seinen ironisch die Wichtigkeit des Lebens verspöttelnden großen, traurigen Augen in seltsamem Gegensatz zu der Strammheit der anderen drei Herren steht, die den Dienst und das Leben so ernst nehmen; – der Hauptmann gedrückt wegen zu langsamen Avancements, die Lieutenants jung, heiter und sehr mager.
Kitty hat für jeden von ihnen ein freundliches Wort; Förster, welcher unterdessen eingetreten ist, beobachtet sie genau.
Sie steht noch im Begriff, Anna Marie die Namen der Herren zu nennen, als es von dem ersten Treppenabsatz in die Halle heruntertönt:
A–ach, wie freuen wir uns,
Da–aß zum Feste hier
U–uns so froh vereint
Dieser Jubeltag!
Kitty hebt die Augen – es ist ein Stück achtzehntes Jahrhundert, das dort auf der Treppe steht. Man hat die Rumpelkammer ausgeplündert, um sich zu kostümieren, alle sind kostümiert, die Damen frisiert und gepudert, die Herren – Herr von Manz und der Hofmeister – in weißseidenen Strümpfen, in Atlaskniehosen und gestickten Röcken und Westen, Herr Wißmuth, der in Ulmenhof natürlich nur ohne seine Frau empfangen wird, hat seine gewöhnliche Tracht anbehalten und steht, energisch dirigierend, mitten unter dem phantastischen Häuflein. »Leise, sehr leise,« hat er von ihnen verlangt –
Ach, wie freuen wir uns,
Daß zum Feste hier