Abb. 98. Straße in Halle i. W.
Nach einer Photographie (Eigentum des dortigen Verschönerungs-Vereins) von H. Baumann in Bielefeld. (Zu Seite [114].)


XII. Von Hameln nach Osnabrück. Süntel, Weserkette und Wiehengebirge.

Hameln.

Eine Wanderung über die Weserkette nimmt naturgemäß von Hameln ihren Ausgang ([Abb. 70]). Die Stadt (20700 Einwohner) liegt an einer von der Natur selbst zum Brücken-, Umschlags- und Mühlenort bestimmten Stelle. Das den Überschwemmungen ausgesetzte Gebiet ist hier sehr schmal, schmaler als oberhalb und unterhalb der Stadt. Ferner führen abgesehen von dem Wesertale selbst von rechts die Täler der Hamel und Remte, von links die der Emmer und Humme dem Orte alte Straßen und neuerdings Eisenbahnen zu. Die Weser aber ist durch eine Insel und ein noch nicht völlig von den Wassern durchnagtes Felsenriff aufgestaut, was die Anlage von Mühlen erleichterte, aber die Schiffer zum Umladen zwang. Was in diesen Verhältnissen Ungünstiges lag, hat die moderne Technik siegreich überwunden. Das gefürchtete »Hameler Loch« hat nach Anlage geräumiger Schleusen seine Schrecken verloren. Wohl aber blühen noch die großartigen Müllereien, die jetzt der Weser-Mühlen-Aktien-Gesellschaft gehören. Die beiden Mühlenwerke werden durch 16 Turbinen mit rund 1500 Pferdekräften betrieben und können täglich etwa 6000 Zentner vermahlen. Außerdem geben die Wehre Gelegenheit zum Lachsfang, der seit alten Zeiten dort betrieben, seit Mitte des vorigen Jahrhunderts aber durch die Anlage von Lachsbrutanstalten in der Nähe der Stadt wesentlich lohnender gemacht worden ist. Stehen wir auf der eisernen Brücke, welche den Mühlenwerder mit den beiderseitigen Ufern verbindet, so können wir die Fischer beobachten, wie sie das schwere quadratische Netz wieder und wieder in die bewegte Flut senken und dann an einem plumpen Holzhebel emporziehen.

Abb. 99. Kette des Teutoburger Waldes bei Halle mit Blick auf den Ravensberg.
Nach einer Photographie (Eigentum des Verschönerungs-Vereins in Halle i. W.) von H. Baumann in Bielefeld. (Zu Seite [114].)

Abb. 100. Idyll aus Amshausen bei Halle i. W.
Nach einer Photographie von H. Baumann in Bielefeld. (Zu Seite [114].)

Nicht zu vergleichen mit den Verkehrsverhältnissen einer Zeit, die noch nicht lange hinter uns liegt, ist die Güterbewegung auf der Weser, wie sie sich in den letzten Jahren entwickelt hat. Wurden durch die Hameler Schleuse zu Berg und zu Tale im Jahre 1881 erst 48256 Tonnen hindurchbefördert, so konnte man im Jahre 1891 bereits 155540, im Jahre 1901 dagegen 311309 und im Jahr 1907 endlich gar 491368 Tonnen notieren. Es hat sich also der Verkehr im Laufe von 26 Jahren verzehnfacht. Bei der immer stärker werdenden Produktion von Kali, dem zurzeit hauptsächlichsten Ausfuhrartikel der Weser, dürfte auch in der Folgezeit auf eine große Steigerung zu rechnen sein. Von allen Umschlagplätzen aber von Cassel bis Minden einschließlich hatte im Jahre 1906 der Hameler Hafen mit einer viertel Million Tonnen den größten Verkehr.