Willy zeichnete den Rumpf zu dem Kopfe.

»Willy, kanns du nich hörn?« fragte die Mutter.

Jetzt bekam der Rumpf Arme.

»Gott, Willy, nu laß das doch!« seufzte die Mutter.

Und Willy fügte mit zwei genialen Strichen die Beine hinzu.

»Hä, das bist du!« rief er, indem er seinen Papa mit lieblicher Dreistigkeit anlächelte.

Und die Eltern lachten in seliger Freude.

»Was doch der Junge für Einfälle hat!«

Und in überwallender Freude versetzte die Mutter dem süßen Bengelchen einige knallende Küsse.

Man hätte nun glauben sollen, daß ein so reichlich genährtes und mit den kräftigsten Nahrungsmitteln erzogenes Kind von Krankheiten verschont geblieben wäre. Seltsamerweise war dem nicht so. Der arme Willy mußte eine lange Reihe von Verdauungsstörungen mit deren Folgen durchmachen. Aber aus jedem Leiden ging sein Charakter gefestigter hervor; mit jeder Rekonvaleszenz nahm seine Willensstärke imposantere Dimensionen an. Konnte man diesem Kinde schon, wenn es gesund war, nichts versagen, so war es dem genesenden, »noch halbkranken Zuckerchen« gegenüber das einfachste Gebot der Elternliebe, die wiedererwachende Lebensfreude zu schüren, indem man die Wünsche des kleinen Herzens weckte, indem man fragte, ob es vielleicht dies wolle, oder ob es vielmehr das wünsche, oder ob es nach jenem Verlangen trage, oder – ob es nicht etwa vorziehe, gleich alle drei Dinge zu erhalten. Willy zog in der Regel dieses vor. Eine entzückend geniale Launenhaftigkeit veranlaßte ihn dabei, das, was er noch eben verlangt hatte, im nächsten Augenblick nicht mehr zu goutieren und es der nächsten Bonne oder Wärterin an den Kopf zu werfen. Kindermädchen, Bonnen und Wärterinnen wechselten in seiner Umgebung immer häufiger. Es war offenkundig, daß alle Zärtlichkeit und alles Pflichtgefühl aus diesen Kreaturen geschwunden war. »Entsetzlicher Balg«, »unausstehliche Range« und ähnliche Blasphemien entblödeten diese Schamlosen sich nicht, in längeren Charakterschilderungen des kleinen Willy vor der Mutter anzuwenden, ja, eines der abgehenden Kindermädchen hatte dem armen Knaben sogar die naturgesetzliche Existenzberechtigung abgesprochen, indem es der Mutter mit beinahe wissenschaftlicher Bestimmtheit versicherte, Willy sei »ein wahres Untier«.