»Schokolade ist besser als Theater!« Eine Wertung, der ich in manchen Fällen entschieden zustimme.
Unmittelbar auf Könige und Prinzen folgt, was Hoheit und Macht anlangt – hier zeigt sich Roswithens deutsche Natur – der Schutzmann oder Konstabler.
»Wo ist denn Rudi?« fragte ich sie einmal, als sie etwa vier Jahre alt sein mochte. Rudi war der nachbarliche Spielgefährte.
»Och,« versetzte sie, »wir ha'm uns doch 'n Herd gebaut, aus Sand, nich? Un nu woll'n wir Suppe mit Reis zu Mittag kochen, nich? Un nu fragt Rudi den Konstabler, ob wir das auch dürfen.«
So weit muß es kommen mit der Loyalität. Nur sollten dergleichen Gesuche schriftlich abgefaßt und auf einem längeren Instanzenwege erledigt werden.
Eine unbegrenzte Macht ist auch das Fünfpfennigstück. Ein köstliches Kerlchen von drei Jahren hatte solch ein Fünfpfennigstück bekommen und wollte damit stracks Laufs auf den Markt, um sich »ßwei Simmels« (zwei Schimmel) zu kaufen.
Gelegentlich sind wir bereits aus dem intellektuellen in den moralischen Irrgarten getreten. Hier besteht die Verwirrung oft in der verblüffenden Einfachheit. So überwindet Roswitha die Illoyalitäten des ersten Napoleon auf eine höchst summarische Art. Als man ihr erzählte, daß dieser Mann Aegypten, Italien, Spanien, Deutschland, Oesterreich usw. erobert und mit Krieg überzogen hatte und nun auch noch Rußland erobern wollte, da rief sie empört: »Der is woll wahnsinnig! Der muß mal tüchtig was auf die Jacke haben!«
So ist es denn ja auch am letzten Ende gekommen, wenn sich die Sache auch nicht so einfach gemacht hat, wie es Roswitha meinte.
Kinder glauben an die unbedingte Wirksamkeit von Strafe und Ermahnung; sie beseitigen die moralischen Uebel wie der Bader einen Leichdorn. Wie Roswitha fest davon überzeugt war, daß ihre Mutter ihr das Lutschen auf dem Daumen »schon abgewöhnen« werde, so ist sie tief davon durchdrungen, daß ihre Kaninchen die Unart des Erdwühlens ablegen werden, wenn sie ihnen ermahnend zuruft: »Ihr dürft aber nicht wühlen!«