»Deine Augen schind ja scho dunkel!« meint er.

Dieser Ausspruch Nazis ruft in der Korona seiner weiblichen Verehrer einen Sturm des Entzückens hervor.

»Ist er nicht zu süß?« jubelt Herta. »Gott! Solch einen kleinen Bruder möcht' ich auch noch haben!«

Aber Nazis sechsjähriges Schwesterchen spricht ein ernstes und passendes Wort:

»Tu das lieber nich, Herta,« sagt sie, »da is viel Arbeit bei.«

Meine Frau ist durchaus der gleichen Meinung und drückt ihrer verstehenden Mitschwester dankbar die Hand.

Es ist auch zu bedenken, daß ich nicht nur schon fünf eigene Kinder habe, sondern daß ein allerliebstes kleines blondlockiges Mädel, ein Püppchen aus lauter Grazie und Spitzen, sich mir vollständig attachiert und mich ohne alles Verdienst mit Standhaftigkeit »Vater« nennt. Auch sie ist schuld, daß ich die Einleitung meines biologischen Wälzers nicht zu Ende lesen kann. Wenn sie ihrer Puppe das Bett macht, packt sie mir mit den Worten »Vater, halt' mal, bitte!« erst die Paradedecke aufs Buch, darauf das Deckbett, dann das Kopfkissen, hierauf das Bettlaken und endlich Matratze und Pfühl, und ich kann nicht eher weiterlesen, als bis alles in der umgekehrten Reihenfolge, gehörig geklopft und gelüftet, wieder in den Puppenwagen gelegt worden ist. Und ferner ist zu bedenken, daß ich ja schon einen Nazi habe, einen viel längern als diesen, nämlich den Obertertianer Erasmus. Wenn ihr einmal ein Füllen auf einer großen Weide beobachtet habt, dann habt ihr eine Vorstellung von Erasmus im Seebade. Solch ein Füllen, wie ihr wißt, steht in diesem Augenblicke still und nachdenklich da, um ganz plötzlich und unvermittelt den Kopf in den Nacken zu werfen, die Mähne zu schütteln und mit geblähten Nüstern, wiehernd, den Rasen stampfend und die Hufe gegen den Himmel werfend, zwanzigmal die weite Wiese zu umrasen, und in seinem Gewieher ruft es: »Ihr lächerlichen Menschen, wie lächerlich klein ist eure Erde!« So auch Erasmus. Wenn vom Gefäß seiner Jugendkraft plötzlich der Pfropfen sich löst und knallend in die Luft fliegt, dann wird er zum jugendlichen Steppenroß, das fliegenden Laufes die Dünen und Sandwüsten der Insel durchstampft, und wenn ihn der Hafer sticht, wiehert er mit ungemeiner Naturtreue. Es ist sehr wahrscheinlich, daß die Zentauren der griechischen Mythologie ursprünglich wildlebende Obertertianer waren.

Dabei zeigt dieses Natur- und Fabelwesen zu andern Zeiten Momente einer überlegenen Ironie. Als er eines Morgens aus seinem Bette stieg, bemerkte meine Frau, daß er aus dem einen Zipfel seines langen Nachthemdes einen riesigen Knoten gemacht hatte.

»Was soll denn das?« rief meine Frau.

»Das soll mich daran erinnern, daß ich noch Cäsar präparieren muß.«