Drittes Buch
Kampf und Liebe
XXXVI. Kapitel.
Was für ein Mann Herr Drögemüller war und was für Lieder deutsche Kinder singen.
Der erste Eindruck, den Asmus Semper von Herrn Drögemüller, seinem Hauptlehrer und Vorgesetzten, empfing, war nicht übertrieben verlockend. Der Kopf des Mannes glich einer stark vergrößerten Billardkugel, der man einen Rettichschwanz als Bart angeheftet und die man im übrigen noch mit einer blauen Brille geschmückt hat. Nase, Mund und Stirn wären in jedem Signalement als gewöhnlich bezeichnet worden. Herr Drögemüller kanzelte gerade einen kleinen, kümmerlich dreinschauenden Buben ab, weil er auf Holzpantoffeln zur Schule kam. Er behandelte das gleichsam wie einen moralischen Defekt, dessen man sich zu schämen habe, und erklärte dem verschüchtert dastehenden Kinde, wenn das noch einmal vorkomme, werde er ihm einen »Tadel in Ordnung« geben.
»Wenn man das hingehen läßt,« sagte Herr Drögemüller, »dann kommen immer mehr mit Holzpantoffeln, und man kann das Geklapper auf den Treppen nicht mehr aushalten.«
Asmus hatte auf der Zunge, zu sagen: »Aus Übermut trägt wohl der Mensch keine Holzklötze an den Füßen; Stiefel sind ihm ohne Zweifel bequemer, wenn er sie hat«; aber er wollte sich nicht gleich opponierend einführen und sagte deshalb nur: