»Nee, nee, das is nichts,« rief Herr von Birkenfeld abwinkend. »Gemütsstimmung, was Gemütsstimmung! Der Soldat hat keine Gemütsstimmungen! Wenn es heißt: die Mauer da muß hinuntergesprungen werden, dann springt er, und das ist Mut. Tapferkeit is hingegen ganz was andres. Tapferkeit zeigt der Soldat den feindlichen Kugeln und Bajonetten gegenüber!«

Von solchen Stunden kam Asmus immer sehr vergnügt nach Hause, und wenn dann seine Brüder Reinhold und Adalbert dastanden und

Front machten, dann dankte er ganz von oben herunter, etwa wie ein alleroberster Kriegsherr oder wie der Assistenzarzt Rheinland, wenn man ihm eine Achillesferse zeigte. Dann schrien Reinhold und Adalbert: »Seht den Hanswurst, er spielt sich auf!« Und dann zog Asmus das Seitengewehr und rief: »Bei Angriffen auf seine Soldatenehre darf der Soldat von der Waffe Gebrauch machen!« und nahm Aufstellung zum Brudermord.

Und noch an einem der letzten Nachmittage seiner Dienstzeit machte Asmus eine höchst sympathische Bekanntschaft. Ein Leutnant der Reserve erläuterte Plan und Idee der am Morgen unternommenen Felddienstübung, und er machte das so fein, so frisch und so klar, daß Asmussens Schulmeisterherz vor Freuden hüpfte. »Wenn das kein Schulmeister ist, so will ich Erzbischof sein,« dachte Asmus, und als die Entladung aus dem Dienste in der Kantine mit einem gemeinsamen Trunk gefeiert wurde, kam Asmus in die Nachbarschaft desselben Leutnants, der sich bald als Gymnasiallehrer Dr. Rumolt zu erkennen gab.

Man sang das gefühl- und weihevolle Lied:

»Nach so viel Kreuz und ausgestandenen Leiden, ja! Erwarten euch die himmlischen Freuden, ja!«

»Ja, ja, die himmlischen Freuden!« sagte Rumolt. »Jetzt geht’s wieder in die Schulstube.«

»Ja!« versetzte Asmus mit Fröhlichkeit.

»Freuen Sie sich darauf?«

»O ja!«