»Dann sind Sie ein glücklicher Mensch.«
»Sind Sie nicht gern Lehrer?«
»O,« machte Rumolt, »ich wüßte nichts Schöneres als Lehrer sein – wenn man es nur sein könnte.«
»Wie meinen Sie das?« fragte Asmus begierig, und nun kamen sie in ein Gespräch über moderne Erziehung, und Asmus machte in diesem Manne einen Fund, der ihm in den kommenden Kämpfen mit dem System Drögemüller ein Labsal werden sollte.
XLI. Kapitel.
Die Schule am Wiesenhang.
Und die Kämpfe mit diesem System nahmen bald wieder ihren frisch-fröhlichen Anfang, und in Asmussen stiegen lebhafte Zweifel darüber auf, ob es sich angenehmer unter dem Korporalstock oder unter dem Federhalter eines Bureaukraten lebe. Es war gar nicht zu leugnen, Drögemüller hatte meistens den Buchstaben des Gesetzes für sich, und es gab viele Gesetze mit vielen Buchstaben. Diese Gesetze konnten erträglich sein in der Hand eines Mannes, der den Geist vom Buchstaben zu sondern wußte; er aber verschärfte diese Gesetze noch durch seine Persönlichkeit. Wenn man ihm klarzumachen suchte, daß der Lehrer ein Künstler sei, der zu seinem Werk der freien Bewegung, der guten Laune und einer schaffensfröhlichen Stimmung bedürfe, den man deshalb mit Liberalität und mit Achtung vor seiner Eigenart behandeln müsse, dann zeigte Drögemüllers Angesicht ein irres, aber überlegenes Lächeln, als spräche man Chinesisch zu ihm und als verstünde er das
Chinesische besser. Wenn die Verordnung vier schriftliche Hausarbeiten in der Woche vorschrieb und nur drei gemacht waren, dann kümmerte es Drögemüller nicht, daß der Verbrecher mit aufopfernder Begeisterung und treustem Eifer zu arbeiten pflegte und seine Klasse so weit fortgeschritten war wie irgendeine – er kannte keine Scham vor dem Geiste und bestand auf seinem Schein. Nicht das Geschaffene zu würdigen und zu mehren, sondern auf Übertretungen zu fahnden – darin erkannte er seinen göttlichen Beruf. Zu diesem Zwecke schlich er überall mit seinem Notizbuch umher, zu diesem Zwecke horchte er sogar an den Türen, und es verbesserte seine Stimmung gegen Asmussen nicht, als dieser eines Tages eine Tür, hinter der er Herrn Drögemüller ahnte, mit großer Kraft öffnete und dabei den spitzesten Ellbogen des Vorgesetzten traf.
»Pardon,« sagte Asmus, »ich konnte nicht ahnen, daß Sie hinter der Tür ständen.«
Wenn sich nun auch Asmus bewußt war, daß er alles leistete, was eine menschliche Behörde von ihm verlangen konnte, so verdarb ihm doch diese Aufpasserei einen Teil seiner besten Kraft. Ihm war dabei zumute wie dem Reisenden, der eine geweihte Stätte besucht und der aus allen Winkeln trinkgeldsaugende Blicke auf sich gerichtet sieht; eine große, freie Bewegung des Herzens konnte nicht aufkommen. So war es denn Trost und Erquickung, mit