»Warum?« fragte Korn.
»Weil – weil es doch wünschenswert ist, daß der Unterricht an einer Schule gleichmäßig erteilt wird.«
»Warum?« fragte Korn.
»Nun – es ist dann doch – alles – übersichtlicher –.« Drögemüller machte eine vage Handbewegung.
»Wieso?« forschte der grausame Korn.
»Man kann doch dann die Fortschritte besser kontrollieren.«
»So. Na, dann weiß ich schon Bescheid. Wat woll’n Sie sagen, Herr Semper?«
»Herr Drögemüller hat allerdings die Form des Wunsches, aber den Ton des Befehls gewählt, und da ich diesen Wünschen nicht nachkomme, verfolgt er mich mit Aufpassereien, die
mich ärgern und kränken müssen und die mir die Lust an der Arbeit vernichten.«
»Na ja, zum Aufpassen ist Herr Drögemüller ja da,« sagte Korn, der das Gefühl hatte, daß er den zusammengesunkenen Drögemüller ein wenig wieder aufrichten müsse; »es gibt leider auch faule und unfähige Lehrer, die einen Aufpasser brauchen. Aber schikaniert wird hier keiner«, fuhr er mit erhobener Stimme und mit einem Seitenblick auf den Ankläger fort. »Wenn ein Lehrer was kann und was will, dann soll er jede mögliche Freiheit jenießen und nicht mit Quisquilien behelligt werden. Aber verjessen Se nich, Herr Semper, dat Se Beamter sind, den Rat jebe ich Ihnen. – Sie können jehen, Herr Drögemüller. Sie bleiben noch, Herr Semper.«