»Soll ick Sie an die Seminarschule versetzen?« fragte Korn, als sie allein waren.

Das war sozusagen eine Beförderung; denn es stand fest, daß die Lehrer an der Seminarschule schneller avancierten als die anderen. Mit dieser Kenntnis hatte Asmus immer die Vorstellung von Karrierenluft verbunden, und diese bloße Vorstellung genügte, ihn zurückzuschrecken. Es mußte ja Aufpasser geben in der Welt; aber er mochte keiner sein. Und wo man Karriere machte, da paßten gar die Strebenden einer auf den andern! Er fand es ungleich schöner, immer in unmittelbarer Verbindung

mit den Kindern zu bleiben. Konnte man sich Pestalozzi als inspizierenden Oberlehrer denken? Asmus sah ihn immer nur unter Kindern.

»Ich danke Ihnen sehr, Herr Schulrat,« sagte Asmus, »aber ich möchte die Kinder, die ich nun einigermaßen kenne, noch einige Jahre weiterführen. Und dann hab’ ich in meinem Kollegium so liebe Freunde gefunden, daß ich mich ungern von ihnen trennen würde –«

»Na, wenn Se nich wollen –« rief Korn in halber Verstimmung, »denn sehn Se zu, wie Sie sich mit dem Drögemüller vertragen. Mit’m Kopp durch die Wand kann keiner, und jefallen lassen müssen wir uns alle was. Ich auch. Adieu!«

»Adieu, Herr Schulrat. Herzlichen Dank!«

Asmus verließ das Gebäude der Oberschulbehörde mit dem frohen Gefühl, daß es Männer gebe, denen alle hierarchische Rangordnung nichts gelte, wenn es sich um Recht und Billigkeit handle. Er war fest überzeugt, daß die Welt überhaupt so eingerichtet sei, und daß man, wenn man sich nur nicht beim Unrecht beruhige, immer zuletzt den Ort finden müsse, wo das Recht in smaragdener Schale ausgehoben und gehütet sei wie das heilige Blut der Welt. So blickte er gläubig und heiter in den schönen Frühlingstag, während zu Hause auf seinem Tische das Schicksal lag und lauerte, um ihm die Krallen ins Fleisch zu schlagen.

XLIV. Kapitel.

Zwei Briefe, und jeder ein Schlag.

Er hatte seinen Eltern nichts von der Vorladung vor den Schulrat gesagt, um sie nicht zu beunruhigen; er sagte ihnen auch nichts von dem Ausgange; denn seine Mutter würde doch Bemerkungen über seinen »Hitzkopf« gemacht haben. Eben weil sie so hitzköpfig war, verurteilte sie alle Hitzköpfigkeit.