»Drinnen auf’m Tisch liegen zwei Briefe für dich,« sagte Frau Rebekka.
Eilig ging er hinein, öffnete den einen der Briefe und las:
Hilde Chavonne
Hermann Kiefer
Verlobte.
Hamburg, den – – – – –
Das Blatt war seinen Händen entfallen.
Er sah nach der Tür – sie war noch offen – schnell ging er hin und drückte sie ins Schloß. Nur allein sein. Dann ließ er sich auf einen Stuhl fallen.
Merkwürdig, wie ihn das traf. War es denn nicht selbstverständlich, daß Hilde Chavonne sich einmal verlobte? Und hatte er denn je geglaubt, sie werde sich mit ihm verloben? Nein, nicht einmal im Traum hatte er das gehofft. Darum hatte er ja auch nie die geringste Anstrengung gemacht, sie zu gewinnen. Er war ihr während des letzten Jahres fast völlig ferngeblieben, nicht eigentlich mit Absicht; aber da es sich so gefügt hatte, daß sie sich nur selten und flüchtig sahen, war es ihm recht gewesen. Vor einem Vierteljahr hatte er sie zuletzt gesehen, an einem Festabend der »Treue von 1880«, als er mit einem hübschen Mädchen zusammen ein Duett gesungen hatte. Das Fräulein Chavonne war an jenem Abend sehr still, sehr ernst, und obwohl freundlich, doch sehr zurückhaltend gewesen.
Und jetzt – verlobt! –
Er war längst wieder aufgesprungen und hatte instinktiv zu seinem Beruhigungsmittel gegriffen: zum Wandern. Auf und ab gehen, immer auf und ab, dann hat man das Gefühl der Bewegung, das Gefühl: Es geht vorüber – es geht vorüber.
Sie ist verlobt! Wie konnte sie ihm das antun! Haha – im selben Augenblick mußte er laut auflachen. Hatte sie denn die geringste Verpflichtung, auf ihn zu warten, auf ihn? Hatte er ihr das geringste Zeichen gegeben, daß sie auf ihn warten solle? Hatte er überhaupt