Da machte sie langsam – weit – weit die Augen auf, und ihre Augen waren tiefernst.

»Du bist ein böser Mensch,« sagte sie. »Weißt du, daß du ein böser Mensch bist? Ein Zauberer bist du!« und sie riß sich fast ängstlich von ihm los und lief ein groß Stück Weges voraus.

Kurz vor dem Quellental hatte er sie wieder eingeholt und den Arm um ihre Hüfte gelegt. Und so schritten sie andächtig hinein in einen kristallenen Dom von uralten Bäumen.

Hier wohnt ein Gedicht, dachte Asmus; denn die Gedichte wohnten ihm wie Dryas und Oreas in Bergen, Bäumen und Grotten, in Wiesen und Quellen. Wenn es sich zeigen wollte, dachte er. Da hauchte es ihm ins Ohr:

Wo vom nahen Strauch ein Vöglein schwebt Stummen Fluges durch die träge Luft, Und vom kaum gebog’nen Zweig der Schnee Lautlos fällt auf Schnee .....

Und Asmus lächelte dankbar und heimlich. Dann kamen sie vor die auf geringer Erhöhung liegende Mooshütte mit der Inschrift: »Hoc erat in votis« und gingen hinein. Aber es war ihnen zu warm und dumpfig drinnen; sie mußten wieder hinaus. Und bei der eingefrorenen Quelle, die am Abhang der kleinen Erhöhung entspringt, warf er seinen Mantel in den Schnee, lud sie zum Niedersitzen und setzte sich ihr zu Füßen. Er mußte heute immerfort singen. Und während von den Zweigen ringsherum von Zeit zu Zeit der Schnee in silbernen Trauben fiel, sang er:

Der Reimer Thomas lag am Bach, Am Kieselbach bei Huntley-Schloß. Da sah er eine blonde Frau, Die saß auf einem weißen Roß.

»Eine braune Frau!« rief sie mit anmutig gespieltem Schmollen.

»Eine blonde Frau,« versetzte er.

»Eine braune Frau.«